Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 496
(PDF, 147 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0533
-s^> ARBEITEN AUS DER KUNSTGEWERBE-SCHULE ZÜRICH <^=^~

:i:

:t:

Der Herein freifinnirjer flurrfjgenoffen üoii
IfleumiinRer ernennt Dürrn Diefe UrfunDe

:: (jetttl ::

löfarrer lüottfrleD Srtjönljoljcr

in iHnnerrarrjt feiner nieten lOerDienfie um
Diei5rünDungunDfeitnnrjDesiJ)erein3]um

:: ftrmmilglieD!

unö gibt Dem llüunfrbe EusDrurf/es möge
üerrn JOfarrer Srhönt)oljer nergdnnt fein/
norh manrhea Hahr in Der alten liebe unö
fiüüiflffit für Den Derein unö feine toetfe
juroirfen. Iürirf)/imfebruar)%$.
3m (Hamen Des lOereins freifinniger
Ifiirrbgenoffen uon jneumiinfter:

Trr SraftOmt:

Oer Rrtunt:

;1"

2?is

♦ 's. ♦

:f;

SCHWEIZERISCHE FACHSCHULE FÜR DAMENSCHNEIDEREI
UND LiNOERiE IN ZÜRICH

DieAufsichl^kommissionanFrauMlNA PESTALOZZt-SlADLLR,Zürich

Hochgeehrte Frau!

Im Momente-, da die Fachschule im Begriffe sieht, ihren Lehrwerkstätten eine neue
Organisation 111 geben, ziemt es sich wohL mit aufrichtigem Dank und warmer Anerkennung
derer zu gedenken, die 3n der bislterigen Entwicklung unserer Anstatt
mitgearbeitet haben. Und da muß unter den ersten auch Ihr Name genannt werden,
hochverehrte Fraul Seit dem Jahre 1893, also seit rund anderthalb Jahrzehnten, gehören
Sie der Aufsichtsbehörde an und während dieser langen Zeil haben Sie die
Schule in reichem Matte Ihre werktätige Sympathie erfahren lassen. In den Beratungen
der Behörde ist Ihr von großer Einsicht und Sachkenntnis getragenes Votum in
mancher Anlegen heil von au^chiagyelKndcr Wirkung gewesen, und an allen Fortschritten
im Ausbau der Schule kommt Ihnen ein hervorragender Anteil zu. Auch
wenn es sich je dämm handelte, einzelne Aussetzungen'am Untcrrichtsbelricb den
Beteiligten zur Kenntnis zu bringen, so wurde die Angelegenheit gerne in Ihre
Hände gelegt Ihr Zartgefühl und Ihr feines Verständnis für die Natur jeder einzelnen
Lehrerin und für die Schwierigkeit ihres Berufes ermöglichte es Ihnen, Besserung
zu erzielen, ohne das nötige Selbstvertrauen der Lehrenden zu erschüttern.
Gerade dafür ist Ihnen die Lehrerschaft im Stillen von Herzen dankbar und schenkt
Ihnen das vollste Vertrauen. Wie die Mitglieder der Behörde, die mit Ihnen zusammen
zu arbeiten die Ehre haben, weiß es auch die Lehrerschaft zu schätzen, dafi weder die
vielen und groHen anderweitigen Verpflichtungen noch-die Rücksicht auf den Gesundheitszustand
Sie abzuhalten vermochten, Ihre Kraft und Zeit in uneigennützigster
Weise in den Dienst der Schule zu stellen. Und der innige Wunsch von uns
Allen ist, daß Ihr gesegnetes Wirken für unsere Anstalt noch recht lange fortdauern
möge. Der Himmel erhalle Ihnen dazu Gesundheit und Rüstigkeit noch recht viele
Jahre!

In Dankbarkeit und Verehrung!

Den 25 Oktoh« 1907.

Namens der Aufsichtskommission:
Der Sekretär: Der PriskJml.

S* e.** f."1 *V •VT,"' rJ* '■.'1 '.tt.t r.^

URKUNDEN, AUS TYPOGRAPHISCHEM MATERIAL ZUSAMMENGESTELLT « KLASSE: J. KOHLMANN

dann nach Grundsätzen, die der ägyptischen
und griechischen, der gotischen und Renaissancekunst
gemeinsam waren, und die in
neuester Zeit wieder von holländischen Architekten
zu Ehren gebracht worden sind. Die
musikalische Reinheit der Form wird durch
die ausschließliche Verwendung rein geometrischer
Proportionen erstrebt. Jede Linie,
jede kleinste Einzelheit erhält Form und Maß
durch die Gesamtform zudiktiert. Jede Willkür
und Laune, die in der Hand des geborenen
Künstlers — aber wie viel solcher zählt das
Jahrhundert? — charmante Werke zu schaffen
vermag, jedoch in der Hand des Schülers
und Handwerkers zur Uebertreibung, Trivialität
und direkter Formlosigkeit führen muß,
(vergleiche dietragische Geschichtedesjugendstils
) ist ausgeschlossen.

Die Form der Teekanne zum Beispiel beruht
auf einem einzigen Kreis. Durch dessen
Kombination mit Quadraten und weitern
Kreisen entsteht ein festes geometrisches
System, dem alle Teile der Umrißlinie entnommen
sind, und das auch die Form des
Henkels und des Ausgusses, ja selbst den
Platz und die Größe des Knöpfchens bestimmt,
das den Griff des Deckels abschließt.

Bei andern Gegenständen bildet das Quadrat
die Basis eines solchen Systems, oder auch
eine Ellipse, ein Rechteck oder Dreieck, die
auf erfahrungsgemäß wohltuenden Verhältnissen
, namentlich auf dem goldenen Schnitt,
aufgebaut sind. Diese Grundlagen der musikalisch
reinen Form decken sich genau mit
den durch die experimentelle Ästhetik festgestellten
Tatsachen, wie sie Fechner, Meu-
mann und andere gefunden haben; jedoch ohne
daß ein ursächlicher Zusammenhang festgestellt
werden könnte.

Diese ästhetische Kontrolle und Verbesserung
der Form darf aber die erste Skizze
nur wenig verändern und namentlich nicht
so, daß sie an praktischem Wert irgend etwas
einbüßen würde.

Die so gefundene Form weist nicht selten
eine solche Harmonie und Vollkommenheit
auf, daß es Sünde wäre, sie durch irgend
ein Ornament abzuschwächen. Man betrachte
nur die Teedose auf Seite 509, deren prächtige
Wölbung und edle Umrißlinie an antike
Urnen gemahnt, die sie doch nicht abschreibt,
und man wird verstehen, was ich meine.

Nicht überall gestatten die praktischen Erfordernisse
eine Form, die an und für sich
solch intensives Leben ausstrahlt. Da bedarf
es dann zur Belebung der Flächen, zur Betonung
einzelner Linien, zur Verbindung gewisser
Teile des Ornaments. Wenn aber
das Ornament die reine Form nicht beeinträchtigen
soll, so darf es keine andere Sprache
sprechen, keinem andern Tonsystem entnommen
sein. Es muß also auch geometrischen

496


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0533