Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 523
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-*^> NEUZEITLICHE FRIEDHOFSANLAGEN -C^^-

arch. hans grassel-münchen

reihengräber-anlage im münchener östlichen friedhof

Haupttypen herausgebildet, der architektonische
und der landschaftliche oder besser Wald-
Typus. Wenn man unter dem Begriff „Friedhof
" den stimmungsvollen Platz versteht, der
dem Kultus der Toten gewidmet ist, könnte
man auch von einem natürlichen und künstlichen
Friedhof sprechen. Der erstere übernimmt
den Stimmungsgehalt, den er in der
Natur vorfindet, und macht ihn ohne weiteres
für seine Zwecke dienstbar, der letztere muß
ihn künstlich schaffen. Vom wirtschaftlichen
Standpunkte aus wird man dem Naturfriedhof
den Vorzug geben müssen, sofern man nicht
erst Neuanpflanzungen vorzunehmen braucht,
sondern einen vorhandenen Wald oder Park
ohne weiteres für Bestattungszwecke hergeben
kann. Obwohl die Belegungsdichtigkeit und
mithin auch die Ausnutzbarkeit eines Waldfriedhofes
wesentlich geringer ist als die eines
regelmäßig aufgeteilten Geländes, ist eine
solche natürliche Anlage doch viel billiger als
eine architektonische, da diese, so einfach
sie sein mag, immerhin einen gewissen Aufwand
erfordert. Abgesehen davon gelangt die
Gemeinde nach Ablauf der Belegungszeit ohne
irgend welche weiteren Kosten in den Besitz
eines schönen Parkes, ein Vorteil, der bei dem
steigenden Bodenwert der modernen Großstädte
und dem dadurch verursachten Mangel
an öffentlichen Gärten nicht hoch genug eingeschätzt
werden kann. Allerdings wird auch

der Bodenwert bei der anderen Friedhofsgattung
der allgemeinen Wertsteigerung folgen,
und es würde bei der Schließung eines solchen
Friedhofes eine anderweitige Verwertung
des Bodens immer mit Vorteil verbunden
sein. Aber einerseits ist bei einer architektonischen
Anlage das in den Baulichkeiten
steckende Kapital in der Regel sehr viel
höher als bei den Landschaftsfriedhöfen —
und in den seltensten Fällen wird man die
Friedhofsgebäude ohne erhebliche Umarbeitung
für andere Zwecke verwenden können —
andererseits ist aber auch das Terrain wohl
nicht immer ohne weiteres für eine Bebauung
zu gebrauchen, und es dürften erhebliche und
kostspielige Aenderungen daran notwendigsein.
Die Vorteile des Landschaftsfriedhofes liegen
daher auf der Hand, wenn es möglich ist,
einen vorhandenen Waldbestand dafür auszunutzen
, doch hat er den Nachteil, daß ihm
die Uebersichtlichkeit fehlt, und daß man sich
in ihm nur an der Hand aushängender Pläne
und reichlicher Wegweiser zurechtfinden kann.
Bei Neuschöpfungen und auch bei kleinen Anlagen
wird man dem architektonischen Typ
den Vorzug geben, besonders dort, wo es sich
um ein eingebautes Grundstück handelt.

Bekannt sind die großen architektonischen
Friedhöfe, die unter der Leitung des Stadtbaurats
Hans Graessel in München entstanden
sind. Es sind Schulbeispiele groß-

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