Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 526
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-s^£sö> NEUZEITLICHE FRIEDHOFSANLAGEN -<^^~

VOM OHLSDORFER FRIEDHOF IN HAMBURG

Münchener nur eine große Kommune leisten,
doch haben die Prinzipien ihrer Gesamtgestaltung
allgemeine Gültigkeit. Auch für
kleinere Anlagen müssen diese grundlegend
sein, und es können daher die üblichen Begräbnisplätze
, die ein Gelände planlos für
Bestattungszwecke parzellieren, nicht genug
gebrandmarkt werden. Nur dem allgemeinen
Tiefstand in der Einschätzung ästhetischer
Werte kann es wohl zugeschrieben werden,
daß man bisher den Anlagen der Friedhöfe
wie der Friedhofskunst überhaupt so wenig
Beachtung geschenkt hat. Ganz abgesehen
von den vielfach sehr schlecht
gewählten Plätzen — sogar zwischen
Eisenbahngeleisen oder
in der Nähe lärmenderlndustrie-
betriebe — sind oft nicht einmal
die einfachsten Formen
künstlerischen Anstandes beobachtet
. Existieren doch in
unseren größten Städten Friedhöfe
, die nicht einmal von einer
einheitlichen Einfriedigung umgeben
sind, bei denen diese
vielmehr als Zufallsprodukt aus
den Rückseiten der an die Straße
grenzenden Erbbegräbnisse gebildet
wird. Daß man bei einer
solchen Mißachtung der natürlichsten
ästhetischen Forderungen
von der ganzen Anlage hinsichtlich
einer künstlerischen
Gesamtideenichtserwarten darf,
ist wohl begreiflich.

Erst in neuester Zeit hat
man angefangen, dieser arg vernachlässigten
Kulturaufgabe
mehrAufmerksamkeitzu schenken
. Es ist bezeichnend für
unsere Zeit, daß man dabei
vom landschaftlichen Typus
ausging und dem architektonischen
erst sehr viel später seine
Aufmerksamkeit schenkte.
Doch ist dies wohl dieselbe
Erscheinung, die man in der
Entwicklung unserer neueren
Gartenkunst — vielleicht der
angewandten Kunst überhaupt
— beobachten kann. Nichts
kann dafür besser Zeugnis ablegen
, als die neuen Bezeichnungen
wie „Gartengestaltung,
Gartenarchitektur" etc., die anstelle
der früher so beliebten
„Landschaftsgärtnerei" getreten
sind.

Das Verdienst, die erste Anlage, die sich
weit über das Niveau eines gewöhnlichen
Begräbnisplatzes erhebt, geschaffen zu haben,
gebührt der Stadt Hamburg. Der weitbekannte
Ohlsdorfer Friedhof, eine Schöpfung
des Architekten Cordes, ist auch heute, nachdem
viele andere Anlagen nach demselben
Muster entstanden sind, immer noch das großartigste
Beispiel eines landschaftlichen Friedhofes
. Hier ist der Parkcharakter so durchgeführt
, daß der unbeteiligte Beschauer meist
überhaupt nicht den Eindruck eines Begräbnisplatzes
hat. In außerordentlich geschickter

VOM OHLSDORFER FRIEDHOF: GRABERGRUPPE IM WALDES DICKICHT

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