Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 527
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0564
-*-4sg> NEUZEITLICHE FRIEDHOFSANLAGEN

Im Waldesdickicht sind nur wenige Gräber sichtbar.

VOM OHLSDORFER

Weisesind dieGräber den Augen der Beschauer
entzogen, teils dadurch, daß sie in das Waldesdickicht
hinein verlegt wurden, teils indem
sie durch Heckenanpflanzungen von den Wegen
getrennt wurden. Außer dem Wechsel, der
sich durch die verschiedenen Gehölzarten von
selbst ergibt, ist durch Anlegung von Wiesen,
von besonderen Blumengärten, von Wasserflächen
etc., dafür gesorgt, daß dem Auge der
notwendige Gegensatz zu dem Gewirr von
Bäumen und Strauchwerk geboten wird. Der
schon erwähnte Nachteil, der Unübersichtlichkeit
, welchen die Landschaftsfriedhöfe haben,
würde sich bei dem Fehlen solcher markanten
freien Plätze sonst noch fühlbarer machen.
Doch wird durch deren Vorhandensein das
parkartige Aussehen derganzen Anlage wesentlich
verstärkt, und es ergeben sich die interessantesten
Abwechslungsmöglichkeiten. Nach
dem Vorgang von Ohlsdorf sind eine ganze
Reihe landschaftlicher Friedhöfe in den verschiedensten
Städten angelegt worden. Als
einer der letzten der Waldfriedhof in München,
mit welchem zugleich eine der reizendsten
Anlagen überhaupt entstanden ist. Von demselben
Künstler geschaffen, von welchem die
großen architektonischen Münchner Friedhöfe
stammen, sind bei dem Waldfriedhof auch die
Baulichkeiten auf der gleichen künstlerischen

Die Gräber sind durch Heckenpflanzungen dem Auge verborgen.
IEDHOF IN HAMBURG

Höhe, wie die ganze Anlage. Leider kann
man von den Baulichkeiten des Ohlsdorfer
und der meisten andern diesem nachgebildeten
Friedhöfe dies nicht sagen. Kein Wunder
, da man ja bei ihnen das Hauptaugenmerk
auf die Gartenpflanzung legend, entweder
die Baulichkeiten ganz nebensächlich
nur als ein notwendiges Uebel betrachtete
oder aber nicht die richtigen Künstler zu ihrer
Bearbeitung heranzog. Vielleicht vermied man
das Letztere, um Konflikte zu vermeiden, da
man es wohl bei der Heranziehung eines Architekten
kaum hätte umgehen können, diesem
zugleich auch einen Einfluß auf die ganze
Anlage zu gewähren, leider vielfach zum
Schaden der Sache. Wenn auch die Baumpflanzungen
und gärtnerischen Anlagen an
sich noch so gefällig und für Friedhofszwecke
besonders geeignet sein mögen, so ist doch
schließlich der Architekt mit seiner strengen
Schulung im räumlichen Denken weitaus die
geeignetste Kraft, um große Raummassen bewältigen
zu können — und das ist die Kernfrage
in der Friedhofsgestaltung — und wenn
heutzutage die Gartenarchitektur zu einem
besonderen Zweig gärtnerischer Betätigung
geworden ist, so sind die betreffenden Gartenspezialisten
eben durch die Schule des Architekten
gegangen, indem sie die großen archi-

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