Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 535
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-sr*^5> NEUZEITLICHE FRIEDHOFSANLAGEN <^-^

FRIEDRICH BAUER-MAGDEBURG SKIZZE FÜR EIN FRIEDHOFSPROJEKT

wird. Die Friedhofsverwaltung hat es dabei
dem Publikum erleichtert, auf ihre Absichten
einzugehen, indem sie selbst die Ausführung
der Fundamente für die Reihengräber im voraus
übernahm und damit das Maximalmaß
der Denkmalsbreite festlegte. Wie ruhig ein
solches einheitliches Gräberfeld wirkt, und
wie groß doch gleichzeitig die Mannigfaltigkeit
der Grabmäler ist, zeigen die Abbildungen.

Aehnliche Vorschriften lassen sich auch
auf den architektonischen Friedhof anwenden
und sind ein willkommenes Mittel, um die
Absichten des Architekten bis zu einem gewissen
Grade der Vollendung durchzuführen.
Lassen sich damit auch Geschmacklosigkeiten
nicht völlig ausschließen, so können diese
dem Gesamtbilde doch nicht mehr sehr gefährlich
werden.

Konsequenterweise muß aber die gärtnerische
Ausschmückung der Gräber in dieselbe
einheitliche Behandlung einbezogen werden;
es kann dies um so weniger Schwierigkeiten
machen, als die Bepflanzung ja auch
jetzt meist von eigens dazu bestellten Gärtnern
der Friedhofsverwaltung bewirkt wird.
Obwohl die Bepflanzung quantitativ meist
nicht mit den Denkmälern konkurrieren kann,
ist doch auch sie imstande, bei unverständiger
Behandlung die Harmonie des Gesamtbildes

sehr zu stören. Eine Einheit kann auch hier
nicht nur nützlich, sondern ein starkes Moment
zur Erzielung einer großen Schönheitswirkung
sein. Man vergegenwärtige sich nur,
welch satte Farbenwirkungen mit der massenhaften
Anpflanzung einer und derselben Blume
erreicht werden können. Bei der Berliner
Ausstellung ist auch dieses Prinzip mit gutem
Erfolge durchgeführt worden.

Die Lösung des Gräberfeldes bleibt immer
eine der schwierigsten Aufgaben bei der Anlage
der Friedhöfe. Hier muß der Architekt
seinen Einfluß energisch geltend machen, doch
ist ihm eine Durchführung seiner Absichten
nur möglich, wenn er sich dabei auf die Mitarbeit
der Verwaltung und des Publikums
stützen kann. Wenn man auch nur ungern
zu Vorschriften seine Zuflucht nimmt, da
sie stets ein zweischneidiges Schwert sind
und der damit beabsichtigte Erfolg doch immer
von der Persönlichkeit des Erlassers sowohl
wie des überwachenden Personals abhängt, so
wird man ein künstlerisches Ziel im Augenblick
ohne solche Maßnahmen kaum erreichen
können. Das Münchener Beispiel zeigt, wie
segensreich solche Vorschriften bei einer
glücklichen Konstellation von Künstler und
Verwaltung wirken können.

Franz Seeck

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