Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 537
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-b-4^> DER NEUE BODENSEEDAMPFER „FRIEDRICHSHAFEN« <^^~

BERNHARD PANKOK-STUTTGART WAPPENSCHILD DES DAMPFERS

Durchbrochener Bronzeguß auf dunkelrotem Grund

DER NEUE BODENSEEDAMPFER „FRIEDRICHSHAFEN

Württemberg war der erste deutsche Staat,
der die Forderung der jungen kunst-
gewerblich-baukünstlerischen Bewegung nach
einer Ergänzung des papierenen Kunstgewerbe
-Zeichenunterrichtes in der Richtung
des Material- und Technik-Verständnisses in
weitestem Umfange erfüllte. In den Kgl.
Lehr- und Versuchswerkstätten besitzt
Stuttgart eine Anstalt, die ihrer inneren Anlage
nach als mustergültig anerkannt ist. Und
gerade jetzt hat die mit dem Kunstunterrichtswesen
betraute Behörde, das Kgl. Kultministerium
, einen weiteren Schritt auf dem
Wege ihrer klugen Kunsterziehungspolitik getan
, hat den Antrag gestellt, die Akademie der
bildenden Künste, Kunstgewerbeschule und
Lehr- und Versuchswerkstätten zu einem einheitlichen
Organismus zu verschmelzen und
in einer großen, neuen Gebäudeanlage zu
vereinigen, ein Vorschlag, der nicht nur
von tiefer Einsicht in das Wesen der Kunst
zeugt, sondern auch vom wirtschaftlichen
Standpunkte aus als sehr glücklich zu bezeichnen
ist. Wenn die große Gebäudeanlage
, die da oben auf der Feuerbacher Heide
als der Mittelpunkt eines neuen Stadtteiles
gedacht ist, vollendet sein wird (was nach
der wohlwollenden Aufnahme, die der Plan
bei Landtag und Stadt gefunden, in einigen
lahren der Fall sein dürfte), wird Stuttgart
im Punkte Kunsterziehungswesen nicht bloß
in Deutschland sondern überhaupt an erster
Stelle stehen.

Aber diese kluge Kunstpolitik des Kultministeriums
kann ihr letztes Ziel, die künstlerische
Hebung des ganzen Landes, nur dann
erreichen, wenn ihr auch sonst vom Staat und

vom Lande her Verständnis und Unterstützung
entgegengebracht wird. Was nutzt es, hervorragende
Künstler als Lehrer zu berufen
und einen tüchtigen Künstlernachwuchs heranzuziehen
, wenn den Künstlern keine oder
doch nur geringe Gelegenheit zur Betätigung
geboten wird! Das Kultministerium selber ist
zwar von jeher bestrebt gewesen, den Künstlern
Aufträge zu schaffen, tut das natürlich
schon aus kunstpädagogischen Gründen; denn
es hieße die Künstlerlehrer schlecht ausnutzen,
all die Vorzüge des lebendigen Beispieles ausschalten
, wollte man sie nur als Unterrichter,
Anreger verwenden, nicht auch so weit wie
irgend möglich als Schaffende zur Geltung
kommen lassen. Aber über den Bezirk des
Kultministeriums hinaus steht es mit dem Staat
als künstlerischem Auftraggeber in Württemberg
wenn auch nicht schlechter so jedenfalls
auch nicht besser als in den anderen
deutschen Staaten. Und doch wird es stets
als eine der vornehmsten Pflichten des Staates
aufgefaßt werden müssen, künstlerische Aufgaben
von den besten Künstlern lösen zu lassen
und so dem Lande, Gemeinden wie Privaten,
ein anspornendes Beispiel zu geben, besonders
in Zeiten, in denen wie in unserer eine neue
Kunst heranblüht und, wie alles Neue, bei
der Menge nicht gleich dem vollen Zukunftswerte
entsprechend gewürdigt wird.

Angesichts der Zurückhaltung, die wie von
den meisten anderen deutschen Staaten so
auch vom württembergischen der jungen kunstgewerblich
-baukünstlerischen Bewegung gegenüber
leider noch immer beobachtet wird,
werden es die Freunde jener Bewegung mit
besonderem Danke begrüßen, wenn eine

Dekorative Kunst. XII. 12. September 1909.

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