Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 546
(PDF, 147 MB)
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DAS EINFAMILIENHAUS ROSS IN HANNOVER

Die moderne Architektur wirkt durch ihr
Zurückgreifen auf mehr oder weniger
archaistische Formen und den grundsätzlichen,
oft eigensinnigen Verzicht auf das krause Beiwerk
aus dem Erbschatze überlieferter Ornamentik
durchaus nicht sinnenfreudig, häufig
genug nicht einmal freundlich. Diese beinahe
feindliche Abwehr nach außen, die das englische
Wort verkörpert: ,my house is my Castle!'
und dieses In-sich-gekehrte, das der Außen-
weltgleichsam den Rücken zudreht, um Lächeln
und freundliches Wort nur der Familie und
dem engen Kreise der Freunde und Gäste zuzuwenden
, spricht auch aus der in Form und
(blaßvioletter) Farbe sehr ernst wirkenden
Fassade, die der Architekt Karl Hubert Ross,

einer der zeitlich
ersten und tüchtigsten
hiesigen Vorkämpfer
moderner
Kunstbestrebungen,
seinem Hause in
einem der vornehmen
hannoverschen
Villenviertel nahe
dem schönen Stadtwalde
Eilenriede gegeben
hat.

In fast klösterlichherben
Formen er-









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ERD- UND OBERGESCHOSZ

hebt sich der Bau auf einem den hohen Grundpreisen
entsprechend knappen, nur zehn Meter
breiten Bauplatze. Ueber dem kupferüberdach-
tenEingange tritt, das Treppenhaus kennzeichnend
, in flacher Rundung ein erkerartiger Ausbau
aus der Front, während als Hauptmotiv,
breiter und kräftiger ausladend, gleichsam um
von allen Seiten möglichst viel Licht für die Innenräume
einzufangen, ein Bauteil vorspringt,
der, durch alle Geschosse laufend und durch
Säulen und Pfeiler gegliedert, in Form einer
Bischofsmütze sich vor dem hohen Steildache
erhebt.

Die Kargheit der Bauplatzbemessung (knapp
10:40 m) bedingte eine besonders vorsichtige
Raumökonomie, die sich auch in dem klug berechneten
, sich beschränkenden und die Wirkungen
effektvoll konzentrierendenGrundrisse
zeigt. Das Erdgeschoß umfaßtim vorderen Teile
eine Diele, die auch die Treppe aufnimmt,
eine Toilette, unter der eine Nebentreppe
vom Vorgarten in das Souterrain führt, und
das Speisezimmer, das sich nach außen in
den breiten Ausbau hineinrundet. Das Hauptmotiv
des Gr undrisses,eine interessante Lösung,
die dem engen Familienkreise wie der großen
Geselligkeit in gleich glücklicher Weise dienstbar
gemacht ist, bildet der aus fünf Einzelteilen
bestehende und doch einheitlich wirkende
Raum, der Halle, Musikraum,Wohnzimmer
, PI au d e r n i s c h e und
ein Tr e pp e n w i n k e 1 c h e n umfaßt.

Die Diele ist in über Mannshöhe
mit japanischen Matten zwischen
schwarzem Rahmenwerk bespannt,
auf ihrer grünlich-gelben Fläche bilden
japanische Farbenholzschnitte interessante
Tupfen. Das anliegende
Speisezimmer leuchtet in farbenfroheren
Tönen; grau, grün und als Dominante
ein feines und doch lebhaftes
Orange sind hier zu einem vollen
und doch unaufdringlichen Akkorde
zusammengestimmt. Eine torartig gewölbte
, an niedersächsische Dorfarchitekturen
leise anklingende Schiebetür
öffnet sich nach dem erwähnten Zimmerkomplexe
und gewährt eine imposante
Gesamtansicht desgroßen, weitgedehnten
Raumes und malerische
Einblicke in die kojenartigen Abteilungen
, die in ihrer Eigenart und ihrer
Zweckbestimmung durch die verschiedene
Belichtung, die hier in wohligen

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