Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 555
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HUGO LEDERER-BERLIN

BRUNNEN IN POSEN

POSENER BRUNNEN

Im Hofe des Regierungsgebäudes in Posen,
das einst der Sitz eines Jesuitenkollegiums
war und von Jesuiten in jenen einfachen
aber vornehmen Barockformen aus der Mitte
des 17. Jahrhunderts, die ihnen den Namen
Jesuitenbarock eingetragen haben, erbaut
wurde, steht seit kurzem ein reizendes Brünnlein
, das Ignatius Taschner geschaffen und
die Landeskunstkommission Preußens dem
Sitze der Regierung in Posen zum Geschenk
gemacht hat. In dem stillen, rings von
hohen Gebäuden umschlossenen ehemaligen
Klosterhof steht der neue Brunnen aus
Muschelkalkstein mit seinem feinen und lustigen
figürlichen Schmuck und den ganz leise
plätschernden Wasserstrahlen, als wenn er
schon von Alters her hier gestanden, und
nur die Farbe des Steines, dem heute noch
die mildernde Patina fehlt, verrät, daß der
Brunnen erst vor kurzem dort aufgebaut
wurde. Leider konnte er wegen einer besonderen
Gerechtsame nicht an die Stelle
des Hofes gesetzt werden, wo der alte eingebaute
arkadenartige Klostergang eine reizvolle
Ecke bildet, in der das Brünnchen
seinen besten Standort gehabt hätte. Aber
auch so bildet es eine Zierde dieses stillen
Hofes, dessen architektonischer Umrahmung es

sich einfügt wie jedes gute neuzeitliche Kunstwerk
, das mit alter Baukunst in Verbindung
gebracht wird. Und manche guten alten Bauwerke
zeugen von der einstigen Kultur der
ostmärkischen Hauptstadt, von denen das
großartige Rathaus des italienischen Baumeisters
GlOVANNO battista di quadro
aus der Mitte des 16. Jahrhundert das wertvollste
und bedeutendste ist. Daß die bürgerliche
Baukunst der Gegenwart in Posen nicht
viel Beachtenswertes hervorbringt, darf nicht
wundernehmen, immerhin schafft sie zum Teil
noch Besseres als in anderen Städten gleicher
Größe. Ueber die zahlreichen öffentlichen
Bauten in Posen, die im letzten Lustrum
entstanden sind, soll hier nichts gesagt werden
. Bezeichnend aber ist, daß in gewissen
bürgerlichen Kreisen ein ausgeprägter Kunstsinn
herrscht, der dahin neigt, neuzeitliche
Kunstbestrebungen in mehr unbewußtem als
bewußtem Anschluß an die alte, einst vorhandene
Kultur in einer der schönsten Städte
des fernen Ostens unseres Landes zu fördern
und zu festigen. Der Stiftung eines solchen
Kunstfreundes, des kürzlich in Berlin
verstorbenen Privatmannes Gustav Kronthal
, verdankt die Stadt Posen eine weitere
beachtenswerte Schöpfung aus unseren Tagen,

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