Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 561
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JULIUS MOSSEL

ZEICHNUNG

JULIUS MÖSSEL

Julius Mössel, 1871 geboren, von fränkischer
Abstammung, kam nach vorhergegangenem
irregulären Besuch der Münchner
und Nürnberger Kunstgewerbeschule an die
Münchner Akademie. Gegen alles Herkommen
gründete er ohne zwingenden Grund eine
Werkstätte für dekorative Kunst. Das war
vor 1890 und mit die Ursache, daß seitdem
der Name Julius Mössel vielen unbekannt
blieb, weil immer nur die Firma Schmidt & Co.,
deren Teilhaber er ist, in den Vordergrund
trat. Für seine Stellung zum Handwerk ist
folgendes Vorkommnis bezeichnend. Als bei
der Gründung der Freien und Zwangsinnungen
Münchner Kunstgewerbler sich verletzt
fühlten, zu einer Glaserinnung gezählt zu
werden, erklärte Mössel, der damals schon
Preisträger in der Konkurrenz um die Ausmalung
des Leipziger Rathauses war und sich
bei ähnlichen Gelegenheiten ausgezeichnet
hatte, ohne jede Zwangslage seine Zugehörigkeit
zur Münchner Maler-und Lackiererinnung. Auf
dem Boden dieser handwerklichen Tätigkeit
entfaltete er sein vielseitiges Können.

Die Evolutionen im Kunstgewerbe der Neunzigerjahre
fanden in Mössel eine in ihrer Entwicklung
noch nicht endgültig abgeschlossene,
aber gereifte Persönlichkeit. Aeltere Künstler,
insbesondere Architekten und Museumsleiter,
konnten den jungen Künstler selbständig vor
jede Aufgabe stellen, ohne in ihm nur einen
geschickten Techniker und Handwerker zu
sehen. Zu handwerklicher Tüchtigkeit hatte
er sich erst innerhalb der Tätigkeit der Firma
entwickelt; sein Stilgefühl entwickelte er nicht
im herkömmlichen Wiederholen steriler Scha-
blonenhaftigkeit, sondern souverän die Formelemente
vergangener Epochen gestaltend,
schuf er selbständig Neues.

Es ist klar, daß Mössel dem problematischen
Tasten und Versuchen der Neunzigerjahre
gegenübergestellt, die Situation abwägend übersah
. Sein reifes Können und persönlicher
Geschmack ließen ihn bei aller Anteilnahme
an dieser Bewegung doch nicht bedingungslos
an der Pionierarbeit der ersten Jahre teilnehmen
. So kam es denn, daß er erst, nachdem
die moderne Bewegung über die ersten Versuche
hinausgelangt war, mit in die Linie
der Schaffenden eintrat. Von Anfang an durch
die der Firma übertragenen Arbeiten wiederholt
vor die Aufgabe gestellt, den von dem
Architekten gestalteten Raum durch die Farbe
noch wirksamer in die Erscheinung treten zu
lassen, kann es nicht wundernehmen, wenn
Mössel keine besonderen Schwierigkeiten
darin fand, zu einer weiteren als nur malerischen
Gestaltung des Innenraumes überzugehen
. Daß er sich bei solchen Versuchen
an die mehr oder minder traditionslosen Arbeiten
moderner Künstler anschloß, ist darin
begründet, daß er weder an den Kunstgewerbeschulen
noch an der Akademie darauf bedacht
gewesen war, sich in den Architekturklassen
fundamental ausreichende Kenntnisse
zu erwerben.

Die alle Traditionen perhorreszierende Anfangsperiode
der Neunziger Jahre machte es
auch Mössel leicht, sich zu den Kämpfern des
linken Flügels zu stellen. Was er aber an
künstlerischen Erfahrungen durch die Bewältigung
malerisch dekorativer Aufgaben als sicheren
Besitz erworben hatte, konnte er auch
ohne weiters bei der weiteren Ausgestaltung

Dekorative Kunst. XII. 12. September 1909.

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