http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_21_1909/0045
VON AUSSTELLUNGEN
Anregung, also volle künstlerische Befriedigung gewähren
die in ungemein zart rieselnden Linien hingestrichelten
Studien von Minne und die nachdenklichen
Blätter von Toorop, der immer herber sich
nach innen kehrt.
karl m. kuzmany
VON AUSSTELLUNGEN
DERLIN. Die kleine Gedächtnisausstellung für
Willy Hamacher, die Schulte veranstaltet hat,
fügt zwar keinen wesentlichen neuen Zug zu dem Bilde
des so früh Dahingeschiedenen hinzu, aber die elf
Werke, unter denen sich einige seiner umfangreichsten
Schöpfungen befinden, sind gut ausgewählt
und vermitteln so einen fesselnden Eindruck von
seinem Schaffen. Sie zeigen sein Talent, die sturmgepeitschte
See und den zerrissenen Himmel zu
dekorativen Werken zusammenzufassen, die in Farbe
und Linie der Großartigkeit nicht entbehren, ein
Boot mit geblähten Segeln wirkungsvoll in die Wasserfläche
hineinzukomponieren, eine italienische
Felsenlandschaft packend, wenn auch ein wenig
theatralisch aufzubauen. Eine Marine von 1889 enthüllt
seine Herkunft von Gude und Dücker, eine
wohl nicht viel spätere Landschaft mit Pinien erinnert
in der Wahl und Anordnung des Motivs ein wenig
an Oswald Achenbach. Nicht vertreten ist die letzte
Etappe des Künstlers, in der er sich einer kraftvollen
Figurenmalerei zuwandte, besonders Seeleute
im Kampf mit den Elementen darzustellen unternahm
. — Einen ganz seltsamen Eindruck machen
die im Nebensaal vereinigten etwa fünfundzwanzig
norwegischen Hochgebirgslandschaften des Belgiers
Carl Werlemann. Ueberall kehren dieselben düsteren
grauen, graublauen, grauvioletten Farben, dieselben
matten Rahmen wieder — man wird an Dekorationen
fürLeichen feiern oder dergleichen erinnert.
Daß ein Künstler nur ein kleines Instrument mit
wenigen Tönen spielt, findet man ja häufig; daß
jemand seine Einseitigkeit mit einer solchen Absichtlichkeit
hervorhebt, habe ich selten erlebt. Ja
wenn er noch ein Paganini auf der G-Saite wäre!
Allein sein Norwegen ist zwar anders, düsterer als
dasjenige, das uns Eckenbrecher zeigt, aber kaum
weniger konventionell. Am besten wirken einige
etwas an Thaulow gemahnende Schneebilder. Lieber
ist mir die in der andern Hälfte dieses Saales ausgestellte
Kollektion des Dresdners Siegfried Ma-
ckowsky. Er nennt sich zwar Schüler von Bantzer
und Bracht, verrät aber in seinen kräftigen Ansichten
von Dresdner Bauten und seinen Kircheninterieurs
mehr noch den Einfluß von Gotthard Kuehl. Ebenfalls
nicht sehr eigenartig, aber gesund und schlicht
sind auch seine Dorfstraßen und Hochgebirgslandschaften
. In einem der kleinen Räume sind die
Wände mit neapolitanischen Pastellen des Italieners
Casciaro tapeziert, denen man Anmut und Geschicklichkeit
nicht abstreiten kann. Ich glaube aber,
daß die Zeit vorüber ist, wo derartige Sächelchen
wie frische Semmeln weggingen. Unter den übrigen
Werken — Schulte kann ja jetzt beinahe soviel ausstellen
wie die Berliner Secession — fesseln weitaus
am meisten die der älteren Meister: köstliche Bilder
von Graff, Lenbach, Spitzweg, Charles Schuch,Ludwig
Munthe (eine famose Heuernte in der ganzen Tonig-
keit der Siebzigerjahre), Zügel, Stadler und anderen,
Aquarelle und Zeichnungen von Menzel, Thoma und
Segantini. Walther Gensel
JV/IÜNCHEN. In der Galerie Heinemann gab es
für zwei kürzlich verstorbene Mitarbeiter des
>Simplicissimus«, für Rudolf Wilke und für F.
von Reznicek, Gedächtnisausstellungen. Wilke —
Reznicek, das sind Gegenpole, die sich in nichts
1
I
8
g. segantini
schafstall im engadin (savognino 1890)
22
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_21_1909/0045