Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 52
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DIE X. INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG IM MÜNCHNER GLASPALAST

I

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mit der Farbe mutiger ins Zeug gegangen;
„Blau und Weiß1' heißt sein Bild (Abb. S. 64)
und der Titel schon sagt, worauf der Witz
der Sache beruht: diese beiden herben Kontraste
auf einen gemeinsamen koloristischen
Nenner zu bringen. Es gelang, und eines
der leuchtendsten Bilder der ganzen Ausstellung
kam damit zustande. Noch ist eine
Schar von Landschaftern zu nennen, die zumeist
Hochgebirgsstücke, viel Schnee und viel
Wolken malen. Eine gewisse Monotonie ist
unter solchen Umständen unausbleiblich,
und man hält sich daher nicht ungern an
einige Arbeiten, die auch außerhalb der
Hochgebirgswunder der Schweiz noch eine

N. CHOLAVINE

Glaspalast München 1909

STUDIE

Landschaft gelten lassen. Da ist in erster
Linie der in München lebende W. L. Lehmann
hervorzuheben mit seiner sonnenschweren
Mittagsstunde über Aehrenfeldern,
die von leichten Hügelzügen überschnitten
werden, scheinbar ein Dachauer Motiv,
Fritz Osswald mit seinem verschneiten
Garten, einem von ihm mit Vorliebe behandelten
Thema, und C. Th. Meyer-Basel mit
seinem ernsten, von großzügiger Landschaftsanschauung
zeugenden ,,Bodenseeufer".

Italien nimmt immer noch für seine Kunst
das Pathos in Anspruch — Pathos im guten
und im schlimmen Sinn. Wer so pathetische,
von eminentester Farbenkultur sprechende
Arbeiten herausstellt wie Ettore Tito in
seinen raffiniert geschmackvollen Lagunenbildern
, der darf sich seines künstlerischen
Pathos freilich sehr wohl rühmen; und
auch in der Ausdrucksform der ernsthaften
Kunst Chiesa's, der uns das Triptychon mit
der Legende der Thais gab (Abb. S. 62)
läßt man es sich noch gefallen, obwohl es hier
schon an das theatralische Pathos streift.
Wo es aber, wie beispielsweise bei dem
immer und ewig Chioggia-Anekdoten malenden
Luigi Nono zur Limonadensüßlich-
keit herabsinkt, muß man es entschieden
ablehnen. Viel lieber ist mir da die jokose,
vom Geiste des venetianischen Rokokokarnevals
durchwehte Szene ,,Pulcinella" von
Guiseppe Giusti (Abb. S. 54), der uns neben
Adolfo Levier auch das beste Bildnis der
italienischen Abteilung gibt. Rein malerisch
wollen Italico Brass und Umberto Coro-
maldi betrachtet sein. Braß hat eine feine
venetianische Malerei da, die Prozession,
die sich am Allerheiligentag über die Brücke,
die man durch die Lagunen baut, nach dem
Cimiterio wälzt — Impression, bunt, aber
wie durch einen Schleier gesehen, alle Farben
aufgelöst in dem weichen Dunst, in der mild
zitternden, schwimmenden Luft, dem prismatisch
gebrochenen Lichte Venedigs. Coro-
maldi hat mit einem Minimum farbigen Aufwands
ein helles, eindrucksvolles Bild gemalt
, „Heimkehrende Arbeiter" — ein Gemälde
, dessen qualitätvoller Gehalt unbestreitbar
ist. Dazu kommen sehr gute Plastiken
der Bildhauer Braga und Canonica,
also eine ganz respektable Schau — und doch :
all diese Leute sind nicht imstande, den
tiefen künstlerischen Zauber, der über Italiens
Landschaft und seinem Volkstum, seiner
Rasse zittert, in einer Weise zu erschöpfen
wie jene, die über die Alpen in dieses

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