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LEON DABO
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I
LEON DABO
NEWYORK VOM HUDSON
mir hinfliegt. Auf dem braunen Felde sind
noch vereinzelte Flecken weißlichen Schnees
liegen geblieben — —"
Mit diesen Bildern von See und Strom, die
den Grundstock von demWerk Leon Dabos ausmachen
, ist sein Stoffkreis aber nicht erschöpft.
Landschaften aus dem Hügellande der neuenglischen
Staaten stehen daneben — im Mittelgrunde
ein paar jener vereinzelten mächtigen
königlichen Bäume mit weichen Umrissen ihrer
Kronen, die als letzter Rest von dem einstigen
Urwald hier stehen geblieben sind, darüber
ballen sich Wolkengebilde wie ungeheure, von
Neuschnee bedeckte Hochgebirgsketten zusammen
. Dazu kommen Figurenbilder — ein
Porträt Whistlers von faszinierendem Ausdruck
, Studien nach schlanken Frauen — ich
sah in Privatbesitz in Newyork einen dämmerigen
Innenraum mit einer einzigen Gestalt
in satten Farben, so schön und fein wie
nur eines der gefeierten Bilder Dewings. Und
in den beiden letzten Jahren hat der Künstler
ganz neue Stoffgebiete hinzu erobert. Eine
ganze Anzahl von Bildern sind entstanden,
die die City von Newyork vom Wasser aus
zeigen — die knappe, schmale turmreiche
Silhouette aus der Ferne von der Riesenstatue
der Freiheit her, die Karl Lamprecht
einmal mit dem Bilde von San Gimignano
verglichen hat, und die Breitseite der gigantischen
Wolkenkratzer Downtown, von Hoboken
aus gesehen. Den phantastischen Reiz dieser
halb überwältigenden, halb grotesken Hausriesen
hatte C. C. Cooper zuerst erfaßt und
diese Umrisse in grellem Sonnenschein und
in dunstigem Nebel festgehalten. Dabo bringt
ein Neues hinzu: die gespenstische und zugleich
feenhafte Wirkung dieser Riesentürme
bei Nacht oder an frühen Winterabenden mit
den Tausenden von Lichtern in den eng gepaarten
Fensterhöhlen, die jeden Tag erneut
das Bild einer festlichen Illumination in einer
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