Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 172
(PDF, 181 MB)
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JOSEF HINTERSEHER

JOSEF HINTERSEH ER

ENTWURF ZU EINEM J U N G - G O E T H E - D E N K M A L

der Künstler, der nun auch, nachdem alle
Eindrücke verarbeitet, seine eigene Idee,
seine eigene Sprache für die Verkörperung
seiner Welt der Ideale findet. Haftet an dem
trefflich modellierten „Schalenträger" (Kleinbronze
, Abb. S. 174) noch die Reminiszenz
von Schultraditionen und großen Vorbildern
, so verschwinden diese allmählich, wie
bei dem „Gänsedieb" - Brunnen (Abb. geg.
S. 169), welches Werk dem jungen Bildhauer
die silberne Staatsmedaille in Oesterreich
1906 einbrachte. Rein technisch genommen
setzt hier schon ein gewaltiger
Fortschritt ein, man empfindet deutlich wie
der Künstler auch persönlich seinem Werke
nahe steht. Es ist ja gerade bei der Plastik
heute zur üblen Manier geworden, daß der
Bildhauer fast nur noch Modelleur ist, der,
nachdem er das Modell geliefert, alles andere,
sei es der Guß, die Marmorarbeit oder
Schnitzerei, dem Handwerker überläßt, der
doch nie dem Werke jenen feinen Duft der
liebevollen Ausführung zuteil werden lassen
kann, wie der Schöpfer des Werkes. Hinterseher
hat nie das rein Handwerkliche, das
Technische zu erlernen verschmäht, da
schützte ihn schon die gründliche Kenntnis
und die heilige Achtung vor der alten Kunst.
— In demselben Jahre erringt der emsig
arbeitende Künstler einen weiteren Erfolg
mit der sinnig und innig aufgefaßten Frauenstatue
als Grabfigur, indem auf der Berliner
großen Kunstausstellung ihm die „Goldene"
zuerkannt wurde (Abb. S. 173). Meisterhaft
komponiert ist diese einfach, schlichte Gestalt,
die in sinnender, weltvergessener, verhaltener
Klage versunken ist. Die weichen, weiblichen
Körperformen sind unter der leichten
Hülle des Gewandes ausdrucksvoll herausgearbeitet
und letzteres selbst umfließt in
rhythmischem Fluß die zarten Glieder. Sowohl
diese Figur wie die meisten, welche
der Künstler vorher und späterhin geschaffen,
deuten, und dies ist das Wichtigste, nicht
durch die Maßverhältnisse auf Monumentalität
hin, sondern durch ihre innerlich wahrhafte
Größe, die ja jedes ernste Kunstwerk
nie entbehren kann. — Ein Blick auf das

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