Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 176
(PDF, 181 MB)
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JOSEF HINTERSEHER

!

JOSEF HINTERSEHER

ST. CACILIA

wie er seine Typen aufbaut. Da ist die Muskulatur
, die teils straff, teils schlaffer das Knochengerüst
umspannt, mit prägnanter Sicherheit
herausgehoben und dabei das psychologische
Moment, das Leben des inneren Menschen
in kraftsprühenden Zügen, in ganz
selbstverständlich erscheinendem Druck der
Hand, dem Material entsprechend hingeschrieben
. Auch die als heilige Cäcilia betitelte
Büste gehört hieher, als eine dichterische
Uebersetzung der individuellen Form, in ein
in der Brust des Künstlers lebendes Idealbild
. Jedes Detail, das hier in der Natur
nachgefühlt und unter der Hand des Künstlers
Leben annahm, wandelte sich in seiner
Geschlossenheit um in ein gewolltes, innerlich
geschautes Bild, das uns unschuldsvoll,
mit leicht gesenkten Lidern anschaut. Die
weichen schwellenden Lippen scheinen sprechen
zu wollen, so daß das tote Material jeder
Stofflichkeit entbunden zu sein scheint und
uns alle Körperlichkeit in unserem Betrachten
vergessen macht (Abb. s. oben).

Auf diesem Wege wandelnd, hat Hinterseher
in mehr als zwanzigjähriger Arbeit Werke geschaffen
, die noch viel zu wenig Anerkennung
gefunden haben und die wahrhaftig allgemeiner

Wertschätzung würdig sind. Trotzdem wird
der nach höchsten Zielen ringende Künstler
nicht ablassen, einem inneren Drange folgend,
seiner deutschen Art treubleibend, uns noch
manch schönes, erhebendes Dokument seines,
von den edelsten Absichten geleiteten, künstlerischen
Strebens zu schenken.

GEDANKEN ÜBER KUNST

Das Ensemble ist die Hauptsache; baut die Masse

auf, ehe ihr ans Modellieren geht. Kümmert euch

um die großen Flächen, die Einzelheiten kommen

schon früh genug. Duret

*

Wie ästhetisch ist doch die Natur! Jedes ganz
unangebaute und verwilderte, d. h. ihr selber frei
überlassene Fleckchen, sei es auch klein, wenn nur
die Tatze des Menschen davon bleibt, dekoriert sie
alsbald auf die geschmackvollste Weise, bekleidet es
mit Pflanzen, Blumen und Gesträuchen, deren ungezwungenes
Wesen, natürliche Grazie und anmutige
Gruppierung davon zeugt, daß sie nicht unter Zuchtrute
des großen Egoisten aufgewachsen sind, sondern
hier die Natur frei gewaltet hat. — Schopenhauer

Vor ein Bild hat jeder sich hinzustellen, wie vor
einen Fürsten, abwartend, ob und was es zu ihm
sprechen werde; und, wie jenen, auch dieses nicht
selbst anzureden: denn da würde er nur sich selbst

vernehmen. — Schopenhauer

o

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