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ANDERS ZORN
Zu seinem 50. Geburtstag 18. Februar 1910
Von Carl G. Laurin
Kein nordischer Maler ist so bekannt und
so gefeiert wie Anders Zorn.
Trotz des relativ geringen Interesses, welches
man in Frankreich, sehr im Gegensatz zu
Deutschland, ausländischer Kunst entgegenbringt
, war Zorn schon 1889 so bekannt in
Paris, daß die mondäne La Vie Parisienne
nicht nur wußte, wer er ist, sondern auch den
Vorschlag machte, man solle sein: „Draußen",
auf einer großen Klippe sitzende, blonde,
nackte Mädchen, Bouguereau schenken, damit
dieser Freilichtmalerei lerne. In demselben
Jahre schreibt G. Lafenestre in der Gazette
des Beaux-Arts über seine Gemälde im Salon
und behauptet, Zorn sei Schwede genug, um
gerettet werden zu können, d. h. von dem
banalen Internationalismus, der zwar eine
oberflächliche, aber doch nur flüchtige Popularität
schaffen könne. Auf der Ausstellung
in Chicago 1893 schaffte er sich einen Namen
in Amerika, und wurde, trotzdem die naturalistische
Behandlung der Nacktheit in den
Vereinigten Staaten als ernstes Vergehen galt,
als der allergrößte Maler der Gegenwart betrachtet
. In Deutschlandgründete
sich sein
Ruhm auf das Bild
einer sehr hübschen
badenden Frau in der
Nationalgaleriein Berlin
und auf das später
fürs gleiche Museum
angekauftePorträtvon
Fräulein Maja von
Heyne (Abb.Jahrgang
1899/1900 S. 468).
Hier,wo derKünstler-
verbrauch ein schnellerer
als anderswo ist,
ist er schon so lange
bekannt, daß man
schon Ausdrücke zu
hören bekommt, wie:
„Wer hat nicht in seiner
Jugend für Zorn
geschwärmt?" —Walter
Leistikow schreibt
indessen 1903 über
Zorn: „Er hat als Maler
, Bildhauer und
Aetzer gleichbedeu-
ANDERS ZORN IM ATELIER
tende Sachen geschaffen oder tut es, glücklicherweise
für uns, noch." In der jüngsten
Zeit hat sich sein internationaler Ruf durch
die Ausstellungen in Venedig, wo er eine
Hauptrolle gespielt hat, und besonders durch
die große Sonderaustellung bei Durand Ruel
in Paris 1906 befestigt.
Zorn ist jetzt 50 Jahre alt. Der Knabe
Anders Leonard ist am 18. Februar 1860 als
Sohn eines bayerischen Braumeisters Leonard
Zorn und eines Bauernmädchens aus Dalekar-
lien geboren. Gleich unserem ersten und
größten Bildhauer Sergel und unserem nationalsten
Dichter Bellman rollt auch in Zorns
Adern deutsches Blut, aber geboren im Herzen
von Dalekarlien, der schwedischsten aller
unserer Provinzen, aus altem schwedischen
Bauernstand, aufgewachsen als Hirte am Strande
des Liliansees, hat er ein volles Anrecht auf
den Ehrentitel Schwede, den er von allen denen,
die er erhalten hat, am höchsten zu schätzen
scheint.
Zorns künstlerische Anlagen offenbarten sich
sehr früh. Während er seine Herde unter den
weißstämmigen Birken
weidete, schnitzte
er Pferde und Kühe,
die er mit Blaubeersaft
färbte. Nach einem
kurzen Besuche
des Gymnasiums in
Enköping reiste er,
erst 15 Jahre alt, nach
Stockholm, um sich
an der Kunstakademie
als Bildhauer auszubilden
. Er ging jedoch
sofort zur Malerei
über und interessierte
sich besonders für das
Zeichnen nach nackten
Modellen. Ebenso
eigensinnig wie begabt
, drückte er seine
Unzufriedenheit mit
dem Unterricht an der
Akademie aus und verließ
1881 diese Kunstanstalt
, wo esderjüng-
ling schon so weit gebracht
hatte, daß er
Die Kunst für Alle XXV. 10. 15 Februar 1910
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