Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 272
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DIE AUSSTELLUNG FRANZOSISCHER KUNST DES XVIII. JAHRHUNDERTS IN BERLIN

J. B. PATER

GESELLSCHAFT AN DER PARKMAUER

liehen Rokokomalerei, der Schöpfer des Genres
der Schäferszenen und der galanten Feste,
er ist der bedeutendste, ja der einzige wirklich
große französische Maler des XVIII. Jahrhunderts
. Ein tragisches Geschick wollte es,
daß er selbst, ein schwächlicher kranker Mensch,
an den Freuden des Lebens, die er in seinen
Werken so lebendig und feurig schilderte,
keinen Teil haben konnte. Tiefe Sehnsucht
nach dem, was ihm versagt blieb, führte ihm
den Pinsel und verschönte und vergeistigte
ihm das lachende, bunte Treiben der Welt.
Das Leiden machte ihn zum echten Künstler.

Watteaus Kunst ist in der Ausstellung der
Akademie glänzend repräsentiert, vor allem
durch die Werke aus dem Besitze des Kaisers,
so durch zwei der schönsten Schäferszenen
„Das Konzert" (Abb. S. 267) und „Die Liebe
auf dem Lande", beide mit wunderbar feinen,
duftigen Landschaften. Von einer wahren
Großartigkeit der Erscheinung ist die Gruppe

französischer Komödianten trotz des kleinen
Formats des Bildes. Ein Idyll von größter
Anmut ist die Szene „Der Tanz" (Abb. S. 266):
Mit damenhafter Grazie bewegt sich das Mädchen
im leisesten Rhythmus. Die musizierenden
Knaben im Hintergrunde sind etwas puppenhaft
geraten.

Die schönste Blüte der Kunst Watteaus ist
sein letztes Hauptwerk, das später in zwei
Teile zerschnittene Firmenschild für den Kunsthändler
Gersaint, der mit dem Künstler eng
befreundet war und sich in den Tagen seiner
Krankheit treu seiner annahm. Es ist ein
Werk von höchstem künstlerischen Adel, geistreich
in der Erfindung und in der technischen
Durchführung und von einer schier unbegreiflichen
Leichtigkeit und Flüssigkeit der Malerei,
besonders in dem rosa Kleid der stehenden
Dame auf der linken Hälfte, noch bewundernswerter
aber in dem gestreiften Kleid der sitzenden
Dame auf der rechten Hälfte des Bildes

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