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VON AUSSTELLUNGEN — PERSONAL-NACHRICHTEN
vollen Ganzen, ihrem
Organismus treu gehorchend
, formt. Er hat,
über die bekannten Radierungen
hinaus, mit
seinen Gemälden aufs
schönste überrascht;
die sie vorbereitenden
Zeichnungen stehen
ihnen durch die prägnante
Einfachheit würdig
zur Seite. So sicher
in den Linien und großzügig
in den Flächen sie
festgelegtsind, sieoffenbaren
doch die Herkunft
vom modernen Impressionismus
. Dessen Vorteile
, »die in mancher
Hinsicht verfeinerte Farben
- und Stimmungsansicht
», leugnet Hollenberg
auch in dem Brief
nicht, der, dem Katalog
beigedruckt, als ein
Sendschreiben an die
Impressionisten und als
eine Absage an deren
gelockerte Technik die
Sache eines ehemaligen
Anhängers verficht. —
Noch eines als Graphiker
den Kennern wohlbekannten
Künstlers
Wertschätzung wurde
jüngst erhöht. Die Galerie
Arnot hat sich das
Verdienst erworben, den
Engländer Charles
Shannon auch in seinen Gemälden vorzuführen.
Die Reihe der wundervollen Steindrucke, von denen
auch seltene Stücke wie die »Toilette« zu sehen
waren, fand eine willkommene Ergänzung in den,
am deutlichsten präraffaelitisch beeinflußten Holzschnitten
und in Pastellen. Aehnlich den oft nur
andeutungsweise, bläßlich graphitgrauen Lithographien
sind auch die Gemälde, zumal die kleineren
Formats, berückend in ihren weichen und gedämpften
Farbenakkorden, wohlig beruhigt in der
Darstellung weltferner Idyllen. — Einige junge
Wiener Maler, die schon auf den großen Ausstellungen
beachtet wurden, haben sich im Kunstsalon
Pisko mit umfänglichen Kollektionen zu Worte gemeldet
. Paul Ress, der früher mit Vorliebe das
Hochgebirge aufgesucht hat, wendet sich jetzt
einem andern, gleich gewaltigen Thema zu, dem
Meere. Da ist es besonders die Adria und die Insel
Brioni, die er bevorzugt, in rasch den farbigen
Augenblick erjagenden Skizzen; sein bestes Können
spricht aus seinen Schilderungen der hohen
See, dekorativ wirkenden Gemälden der Luft- und
Wasserstimmungen, je nachdem der Wind weht.
E. O. Braunthal, der sich in verschiedener Herren
Ländern umgetan hat, fesselt am meisten durch
einige gut studierte Interieurs und durch Porträts.
Er ist noch auf der Suche nach sich selbst, wie
auch J. Koganowsky, dem am besten ländliche
Motive im hellsten Sonnenschein, der fein graue
»Theresianumgarten« ist eine Ausnahme, bei frischem
Zugreifen gelungen. k. m. k.
eugen kirchner die heimkehr
Frähjahrausstellung der Münchner Secession
(Aus der Mappe „Bilderbuch für brave Erwachsene". Verlag von F. Bruckmann A.-G., München)
PERSONAL-NACHRICHTEN
"PvRESDEN. JohannesScHiLLiNGf. Derbekannte
Dresdner Bildhauer Johannes Schilling ist im
82. Lebensjahre in Klotzsche-Königswald bei Dresden
in der Nacht zum 23. März an einem Schlaganfall
nach überstandener Influenza gestorben. Schilling
war weithin bekannt als Schöpfer des deutschen
Nationaldenkmals auf dem Niederwald, das zur Feier
der deutschen Siege von 1870/71 und der wiedererrungenen
Einheit des Deutschen Reiches errichtet
und am 28. September 1883 enthüllt wurde. Zahlreiche
hohe Ehren sind ihm zuteil geworden: er
war Geh. Rat mit dem Titel Exzellenz, Ehrendoktor
der Universität Leipzig, Ehrenbürger der Stadt
Dresden, Besitzer zahlreicher Orden und Auszeichnungen
, darunter der grossen goldenen Medaille
von Berlin (1892). Schilling wurde am 23. Juni 1828
zu Mittweida in Sachsen geboren, erlangte seine
künstlerische Ausbildung in der Kunstakademie zu
Dresden, besonders in Ernst Rietschels Atelier
(1845—50), war dann auch ein halbes Jahr bei Drake
in Berlin und 1853—54 bei Ernst Hähnel in Dresden.
Als Träger des Akademischen Reisestipendiums
ging er 1854 nach Italien. Von 1856 an lebte er
in Dresden, 1868 wurde er Professor an derkgl. Kunstakademie
und Mitglied des akademischen Rates. Bis
zur Berufung Wrbas nach Dresden hat er diese
Stellung innegehabt. Zahlreiche Schüler sind aus
seinem Atelier hervorgegangen. Nicht minder eine
Fülle von Denkmälern, deren Ausführung ihm von
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