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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
eine reiche Kollektion von Arbeiten, größtenteils aus
den letzten zehn Jahren, die eine hohe Achtung
vor dem Können dieses ernststrebenden Künstlers
abzwingt. Keller zeigt Genrebilder, Porträts,
Akte, im ganzen einige 20 Arbeiten; der Schwerpunkt
seines Könnens scheint uns in der vorzüglichen
Zeichnung und Komposition zu liegen, sein
Kolorismus wirkt noch etwas äußerlich, zu bunt
und unausgeglichen. Je schlichter er sich in der
Farbe hält, desto mehr imponiert er und so hat
uns im besonderen neben dem Porträt von Eduard
von Gebhardt das Bildnis eines rauchenden Herrn,
dann die Figur eines Holländers gefallen; auch das
Salomebild, das sich durch einen vorzüglichen Akt
auszeichnet, soll nicht unerwähnt bleiben.
CTUTTGART. Ausstellung moderner deutscher Me-
^ daillen und Plaketten im Landesgewerbemuseum.
Ueber 1100 Stücke umfaßt diese Ausstellung, wie
sie sich aus dem Besitz der bekannten Firma Adolph
Hess Nachfolger in Frankfurt am Main, von der
diese Medaillen und Plaketten auch bezogen werden
können, in der König Karl-Halle zusammengefunden
hat. Sie ist dann hier von Professor Pazaurek durch
einige einheimische Arbeiten, so durch die groß
und geschlossen wirkende Graf Linden-Medaille
von L. Habich, vor allem aber durch zwei Kollektionen
französischer Arbeiten, von Chaplain, Roty.
Dupuis, Jencesse, Charpentier und andern mehr,
vermehrt worden, was ganz interessante und instruk-
thomas w. dewing porträt
Ausstellung amerikanischer Kunst in Berlin
tive Vergleiche ergibt. Auch ich habe den Eindruck,
als ob es mit dem beherrschenden Einfluß der Franzosen
vorüber sei, ja unsere Ausstellung zeigt sehr
eindringlich, daß die verschiedenen Wiener, Karlsruher
und andere Nachahmer der Franzosen durchaus
nicht den künstlerischen Schwerpunkt dieser
Ausstellung bilden. Neben A. v. Hildebrands unvergleichlich
großzügigen monumentalen Schöpfungen
, wie seiner Bismarck-Medaille, neben Hermann
Hahns prachtvoller Lenbach-Medaille mit dem straff
aufgerichteten, Energien aussprühenden Profilkopf,
sind es vor allem die Schöpfungen von Max Dasio,
Georg Römer, Benno Elkan, G. Wrba und andere
mehr, die uns fesseln, jener Meister also, die
zum guten Teil auf unseren alten deutschen Schaumünzenkünstlern
fußend, von hieraus eine Neubelebung
der edlen alten Medaillenkunst versuchten.
M. Dasios phantasievolle Schöpfungen, die mich
übrigens mehr anziehen, als seine mitunter
etwas outrierten Bildnismedaillen, G. Römers markiger
und prachtvoll im Rund komponierte Medaille
auf Schütte, die sehr kecken Arbeiten von B. Elkan,
darunter die wohl stimmungsvollste Medaille auf Mud-
ding Richter, die streng stilisierten Werke von R. Bosselt
und des weiteren, die Arbeiten von J. Eberle,
Fr. Hörnlein, H. Ehehalt, H. Schwegerle,
H. Wadere und andere mehr sind es, zu denen
man immer wieder zurückkehrt. Auch die gediegenen
Prägeanstalten, von Mayer & Wilhelm-
Stuttgart sowie C. poellath-Schrobenhausen sollen
nicht unerwähnt bleiben. h. t.
W/IESBADEN. Die an die Ausstellung
1909 geknüpfte Hoffnung, daß sich
für die Künstler hier in der ersten deutschen
Kurstadt ein neues Absatzgebiet erschließen
lassen werde, hat sich inzwischen
in weitem Umfang verwirklicht. Im ganzen
wurden für weit über 100000 M. Gemälde,
Schwarz-Weiß-Blätter, Plastiken und kunstgewerbliche
Gegenstände verkauft. Eine
vom Vorstand des Nassauischen Kunstvereins
veranstaltete Sammlung unter den hiesigen
Kunstfreunden erzielte ein so gutes
Ergebnis, daß je ein Oelgemälde von Ferdinand
Brütt, Rob. Hoffmann und Hans
Völcker für das Wiesbadener Museum erworben
werden konnte. Aber auch sonst
machten sich die Anregungen fühlbar, die
von dieser ersten größeren Ausstellung
ausgingen und aller Erwartung nach ausgehen
mußten. — Allen Besuchern der grünen
Bäderstadt am Fuße des Taunus wird
die Städtische Gemäldegalerie ihrer unzulänglichen
Raumverhältnisse wegen in unangenehmer
Erinnerung sein. Die schönen
und mit großen Opfern zum Teil unter privater
Beihilfe angeschafften Gemälde hängen
in einer Weise übereinander und durcheinander
, die oftmals den Spott heimischer
und auswärtiger Kritiker Nahrung geben
sollte. Den Mahnungen aus den Reihen
der hiesigen Kunstfreunde, und besonders
auch denen des Altmeisters unter den
Wiesbadener Künstlern, Herrn Kaspar
Kögler, ist es zu verdanken, daß nun auch
hier Wandel geschaffen werden wird. Der
Oberbürgermeister Dr. v. Ibell schlug demgemäß
vor, den Bau der Gemäldegalerie von
dem der anderen durchaus andersgearteten
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