Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 417
(PDF, 181 MB)
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FRIEDRICH KALLMORGEN

nauer-Hans noch mit dem heroisch-dekorativen
Ausdruck Brachts, aber man spürt doch deutlich
den Einfluß dieser Karlsruher Tradition,
dem er eine frühe Sicherheit im Kompositionellen
verdankte. Auch er suchte, wenngleich
ohne zu stilisieren, von vornherein „das Bild
in der Natur". Das brachte es dann mit sich,
daß Kallmorgen sich auch Baisch gegenüber
seine Selbständigkeit wahrte und von der star-

matischen Reiz des Gemäldes nicht ganz allein
auf das farbige Spiel zu beschränken, sondern
noch allerlei zur Wirkung beizumischen. Nicht
mehr, wie vordem, „fürs Herz", aber für das
Auge. Nicht erzählerisch, aber darstellerisch.
Und vor allem sprach sich ein Wandel aus in
der Wahl eines neuen Stoffgebietes, in der von
der sozialen Zeitströmung angeregten Neigung
zu Arbeitern und Bauern, die nicht mehr in

WM

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FRIEDRICH KALLMORGEN EINE UNTERREDUNG

Besitzer Herr v. Rudnyanski, Budapest

ken Naturpoesie des Rousseaujüngers nicht
mehr annahm, als sein ausgesprochener Sinn
für plastische Klarheit ertragen konnte. Dieser
Grundzug seiner Malerei sprach sich aber noch
deutlicher in der zweiten Bildergruppe jener
ersten Epoche aus, in der die menschliche
Figur sich der Landschaft zugesellte, um sie
gelegentlich ganz in den Hintergrund zu drängen
. Hier klang noch die frühere Freude am
Stofflichen nach, der sich die deutsche Malerei
eben damals erst langsam zu entziehen begann.
Zwar von der alten Genrekunst rückte man
ab, aber man legte doch Wert darauf, den the-

niedlichen novellistischen Szenerien, sondern
in sachlich-ernsten Schilderungen vorgeführt
wurden. Die Hollandfahrten unterstützten das.
Denn die Dorfbewohner, Landleute, Fischer und
Schiffer gehören dort zur Landschaft, als deren
lebendige Symbole sie aufsteigen, und in der
malerischen, von Feuchtigkeit geschwängerten
Luft der weiten niederländischen Ebenen, die alle
festen Konturen auflöst und zu Ton und Farbe
drängt, lernte man überdies, die menschliche
Gestalt als Teil der Natur zu erkennen und
wiederzugeben; sie nicht als „Motiv" im früheren
Sinne aufzufassen, zu dem dann die Land-

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Die Kunst für Alle XXV

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