Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 428
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EINIGES ÜBER FALSCHERKUNSTE

aber doch überzeugt ist, daß sie einen gewissen
Wert repräsentieren. Bisher hat er allerdings
jedes Gebot abgelehnt, aber jetzt ist der
kritische Augenblick gekommen, der arme Teufel
braucht bares Geld, und wenn Sie damit
versehen sind . . ." — „Das bin ich." — „Dann
vorwärts, morgen könnte es schon zu spät sein."

Du läßt dich bereden, steigst in einen Wagen
mit dem ehrenwerten Samuel, der dich in eins
der alten Gäßchen führt. Ihr klettert in einem
alten Hause mühsam fünf Stiegen hinauf und
werdet, atemlos oben angelangt, von einem Greise
nach euren Wünschen gefragt. Samuel setzt
den Zweck des Besuches auseinander, und der
Greis zeigt drei Oelbilder an der mit zerfetzter
Tapete bedeckten Wand. Du erfährst, daß er
früher einmal reich war, Kunstfreund ist, und
sich auch in der Armut nicht von seinen Lieblingsbildern
trennen wollte Dinge, welche
Samuel umso unbefangener zur Sprache bringen
kann, da der Besitzer halb taub sei.

„Sehen Sie diesen Mieris! Welch ein intimer
Vorwurf, welche reizende Behandlung, welche
tiefe Empfindung! Und hier ein Poussin, zuverlässig
aus der Zeit, als der Meister unter
dem Einfluß der venezianischen Schule stand!

Und das dritte! Einem Kenner, wie Sie einer
sind, brauche ich nicht zu sagen, wer hier den
Pinsel führte. Sie haben bereits den Namen
Ruijsdael genannt. Das da sind jene erstaunlichen
Kontraste zwischen Schatten und Licht,
das ist die großartige Ruhe, welche seine vorzüglichsten
Werke auszeichnen."

„Sie können recht haben", antwortest du leise,
„aber ich will mir nicht das Ansehen eines Menschen
geben, der auf die Sachen versessen ist."

„Ichstimmelhnenbei," sagt Samuel, „indessen
beeilen Sie sich, Durantin war hier, ich sehe
seine Karte dort auf dem Tische liegen, und Sie
wissen, daß er ein gefährlicher Konkurrent ist."

„Ja, der Patron kommt mir oft in die Quere."

„Aber diesmal soll er sich „schneiden"!"

„Das hoff' ich."

Es werden Gebote gemacht; der Greis weigert
sich, beschwert sich, daß seine Lage mit solcher
Härte ausgenutzt werde, und willigt endlich mit
Tränen in den Augen ein, sich gegen sechs
Noten zu tausend Franken von den drei wundervollen
Bildern zu trennen, deren Anblick sein
Trost gewesen ist.

Du gehst, noch immer in Begleitung des
wackeren Samuel, und bietest ihm in zarter

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FRIEDRICH KALL MORGEN

FLACHSSCHEUER

Im Besitz von Frau Kommerzienrat Gruschwiiz, Neusalz a. d. 0.

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