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VON AUSSTELLUNGEN
friedrich kallmorgen
winterabend
Die Künstlerhausausstellungist diesmal bei weitem
die interessanteste. Im Cassirerschen Salon hielt
es wohl schwer, der herrlichen Manetsammlung
eine würdige Nachfolge zu finden. Die Kollektion
von Werken Ludwig von Hofmanns war dazu
nicht eben am geeignetsten. Hofmanns Kunst entzückte
uns, als er zuerst seine eigene Note von
Frühling und Jugendschönheit fand, wir folgten
seiner Entwicklung zur Reife, aber wir sehen mit
Bedauern nun einen Quell versiegen, der so viel
Schönheit spendete. Hofmanns Kunst hat etwas
gemein mit der Lyrik der Jugendzeit, die über ein
gewisses Alter hinaus sich nicht zu erhalten vermag.
Es schien im letzten Jahre, als suchte der Künstler
nach männlicher Festigung. Frankreich schien sie
ihm zu geben. Aber diese neuen Arbeiten lassen
solche Absicht vermissen und bedeuten schwache
Wiederholungen gegenüber derunmittelbaren Frische
der Erfindung in den frühen Werken. — Die Malereien
Ernst Sterns, die daneben ausgestellt sind,
hätte man besser nicht gezeigt. Man gewänne eine
bessere Meinung von dem einen Bilde, das in der
Secession hängt. Hier sieht man nur, daß es Stern
an künstlerischer Vertiefung fehlt, um Bilder zu
malen, während man dort bedauern konnte, daß dem
beschäftigten Theaterkünstler offenbar die Zeit mangelt
, seine guten Gaben zu bilden. — Endlich sieht
man graphische Arbeiten von Erna Franck, die
eine unbedingte Abhängigkeit von Liebermann zeigen,
aber ein starkes Talent und Sinn für graphischen
Ausdruck verraten.
B
UDAPEST. Im Künstlerhaus haben wir eine
Frühjahrausstellung ausschließlich von Werken
ungarischer Künstler. Als hervorragende Arbeit
können wir nur das Bild >Die Vampire* von Csök
bezeichnen. Csök ist, trotz seines Hanges zu gruseligen
Themen, ein ausgezeichneter Maler, ein Virtuos
im Aktmalen, ein feinfühliger Farbenseher,
der uns auch hier mit exquisiten Tonfeinheiten überrascht
. Magyar-Mannheimer ist mit einer Kollektion
von kleinen sprühenden Farbenbouquets vertreten
. Dann können wir nur die ganz jungen
Künstler nennen, Nävay, Zsombolya, Lechner d. J.,
Peter Kaiman, Köbor. Von den Bildhauern sind
Werke von Kisfalndy, Bory, Kopits hervorzuheben.
Das Uebrige ist fast ausschließlich Marktware. —
Bei Könyves Kdlmdn ist jetzt eine internationale
Karikaturenausstellung, in der wir prächtige Stücke
von Pascin, Veber, H. Paul, Fabiano, Gelanis, Phil
May und in der ungarischen Abteilung von Miklos
Vadasz, Pölya, Hermann zu sehen bekommen. —
Das Kunsthaus hat jetzt eine wirklich aparte Ausstellung
, die wohlverdientes Aufsehen erregt. Sie
zeigt nämlich Bilder von den Meistern des Impressionismus
, ausnahmslos Meisterwerke aus ungarischen
Privatsammlungen. Da sind Goya, El Greco,
Daumier, Delacroix, Courbet, Diaz, Monticelli, Fantin
-Latour, Meunier, jap. Farbendrucke, Manet,
Monet, Boudin, Renoir, Pissarro, Degas, Sisley,
Rafaelli, Carriere, Bonnard, Toulouse-Lautrec,
Puvis de Chavanne, Gauguin, Cezannes, Van Gogh,
— und dann die neuesten Synthetisten, Ma-
tisse, Picasso, Van Dunghen, Klossowsky, Roualt
zu treffen. Parallel mit ihnen sind die ungarischen
Meister, Szinyei, Munkacsy, Paäl, Meszöly,
Hollosy, Ferenczy, Vaszary, Csök, Rippl-Rönai, bis
zu den neuesten: Kernstock, Jvanyi-Grünwald vor-
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