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DIE I. AUSSTELLUNG DER LEIPZIGER SECESSION
friedrich fehr
rastende kürassiere
Große Berliner Kunstausstellung 1910
DIE I. AUSSTELLUNG DER LEIPZIGER
SECESSION
Mun hat auch Leipzig seine »Secession«; etwas
*^ post festum, aber es hat sie. Berlin hat mittlerweile
schon seine >Neue Secession«. Ueber die
Gründungen neuer Gruppen werden ja immer die
üblichen Glossen herumgeworfen, aber jedenfalls
dokumentieren die Tatsachen immer eine Fortentwicklung
, nicht immer eine Weiterentwicklung der
Kunst selbst, wohl aber des Wirtschaftlichen. Ueber
den Namen der neuen Künstlergruppe und deren
Gründung an sich will ich auch gar keine Betrachtungen
anknüpfen, sondern lediglich über deren
Arbeitsleistung in wirtschaftlicher Beziehung. Und
von diesem Gesichtspunkt aus bedeutet die Ausstellung
der Leipziger Secession sicherlich einen
bemerkenswerten energischen Vorstoß im Kunstleben
unserer Stadt. Es ist nun die Frage, wie
reagiert die Stadt und weiter das liebe Publikum
darauf? Hiervon hängt natürlich vieles vom Stehen
und Fallen dieses Unternehmens ab. Der Leitung
der Secession kann man jedenfalls die Anerkennung
für das, was sie hier geschaffen, nicht versagen;
und die Qualität der Ausstellung ist so, daß sie
alles Lob verdient, vor allem, wenn man die Schwierigkeit
erwägt, die eine erste Veranstaltung zu überwinden
hat, bis sie dahin gelangt, das bieten zu
können, was den Urhebern vorgeschwebt hat. Auch
Ausstellungserfahrungen erwirbt man nicht von heut
auf morgen.
Die Beteiligung ist etwas zaghaft; das ist eben
das Signum einer ersten Veranstaltung. Es sind
zwar von allen Kunststädten tüchtige Werke gesandt
worden, aber man merkt immerhin, die Künstler
wußten noch nicht recht, was sie tun sollten. Unter
je eigener Jury haben die Zwillingsbrüder, der
Leipziger Künstlerverein und der Leipziger Künstlerbund
ausgestellt. Der erste Saal, der sich dem
Beschauer darbietet, faßt die Werke des Leipziger
Künstlervereins. Die Beleuchtung dieses Raumes
ist leider mangelhaft wegen der zu großen Tiefe
und der umkleideten Säulen, die den Bildern an
der Rückwand noch mehr Licht wegnehmen. Unverständlich
bleibt es, wie die Hängekommission
hier die Bilder unter Glas gegen die Fenster hängen
konnte. Das Niveau der Ausstellung ist gut und
erfreulich. Besonders hervorheben möchte ich nur
einige Bilder, in denen ich gewissermaßen ein bestimmtes
künstlerisches Glaubensbekenntnis zu erblicken
meine: zwei Landschaften von Fritz
Rentsch, eine tieftonige Großstadt-Sommerlandschaft
von Paul Hentschel und eine kleine helle
italienische Landschaft von Ferd. Lederer-Weida.
Gleich gut ist das Niveau des Saales, in denen der
Leipziger Künstlerbund seine Bilder vereinigt. Hier
möchteich ein paar Blumenstücke von Elsa Bossert,
eine kleine Herbstlandschaft von E. Krauss und
außerdem noch zwei Arbeiten von E. Gruner hervorheben
, welche wohl temperamentvoll und zeichnerisch
gut gesehen sind, die aber als Malerei nichts
von den Errungenschaften moderner Malerei er-
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