http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_21_1909/0597
OTTO HEINRICH ENGEL
MITTAGSTIMMUNG
Große Berliner Kunstausstellung 1910
EIN PSEUDO-KUNSTVEREIN
(DIE ^KUNSTVEREINIGUNG^ BERLIN - MÜNCHEN]- DRESDEN - DÜSSELDORF)
Der großen Bedeutung unserer vielen deutschen
Kunstvereine braucht kein Loblied
gesungen werden, denn es ist ja seit Jahrzehnten
allgemein bekannt, wie segensreich
und uneigennützig diese Laiengesellschaften
wirken, indem sie den eigenen Mitgliedern
gute Kunstwerke vorführen, Verkäufe vermitteln
und durch gewählte Bilderprämien
Geschmack und Kunstverständnis im deutschen
Bügerhause verbreiten. Die Künstler sind
dankbar dafür, daß sie ihnen in ihren Sälen
kostenlose Ausstellungsgelegenheit gewähren
und selbst als Bilderkäufer mit stattlichen
Summen erscheinen.
Aber man sollte bedacht sein, diese Atmosphäre
rein zu erhalten, und dafür sorgen, daß nicht
parasitäre Nebenerscheinungen die Gesundheit
des von den Kunstvereinen erweckten Kunstlebens
heimlich untergraben. Dem sogenannten
Publikum ist es natürlich schwer, solche
schädlichen Nebenerscheinungen rechtzeitig zu
erkennen, oder, wenn ihm dies gelang, so solidarisch
zu empfinden, daß die drohende Gefahr
von der Gesamtheit mit geeigneten Waffen
wirksam bekämpft werden könnte. Anders
die Künstler, deren materielle und ideelle Interessen
bedroht werden. Vor kurzem war ich als
Redakteur der „Werkstatt der Kunst" in der
Lage, den Kampf gegen einen raffiniert eingerichteten
Pseudo-Kunstverein zu leiten und im
bisherigen ersten Stadium erfolgreich durchzuführen
. Gern folge ich der Einladung der Schriftleitung
der „Kunst für Alle", hier über diesen
prinzipiell bedeutenden Streit zu berichten, denn
die Leser dieser Zeitschrift gehören ja meist
zu denjenigen Kreisen, die man als Bilderkäufer
ansprechen darf, und an die wohl auch
die pseudokünstlerischen Offerten in erster
Linie gerichtet werden.
Die „KunstvereinigungBerlin-München-Dresden
-Düsseldorf' hat folgende Vorgeschichte.
Ein Herr Karl Schleising, später Schleusing
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