Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 524
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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

1

bedeutende Künstler bisher nur ungern in dem
kleinen Ensemble vermißten. Bei 200 Gemälde
sind zusammengekommen, die Brakl's Haus vom
Erdgeschoß zum zweiten Stockwerk bis auf den
letzten Winkel füllen und, obschon kein einziges
sogenanntes »Hauptwerk« dabei ist, ein klares
Bild von dem heutigen Können und Wollen der
»Scholle« geben. Auch diese Ausstellung lehrt,
daß sich die »Scholle«-Leute in zwei Gruppen verzweigen
, eine Erscheinung, die schon vor einem
Jahrzehnt wahrnehmbar gewesen: hie Dekoration
— hie reine Malerei. Von letzterer Richtung ist
Püttner der stärkste; er zeigt Arbeiten, die alles
andere totschlagen — da sprüht intensivstes Leben,
und das ist alles so selbstverständlich und scheinbar
so verteufelt einfach gemalt, daß man sich des
Staunens gar nicht erwehren kann; selbst Feldbauer,
der an Wucht und Schmiß und koloristischer Keckheit
sicherlich nichts zu wünschen übrig läßt, kann
es Püttner nicht gleichtun. Wie würde man Püttners
Bilder bezahlen, wenn er ein Franzose wäre! Leo
Putz steht zwischen beiden Gruppen — da ist eines
seiner Porträte, das ganz »malerisch« aussieht, dort
ist ein Akt ganz »dekorativ«. Die dekorative Richtung
vertreten Fritz Erler, Eichler und Münzer mit
stärkster Konsequenz. Man darf das nicht falsch
verstehen: unter der >Dekorative< darf man sich
nichts Flüchtiges, keine nur auf Wirkung berechnete
Kunst vorstellen, und man muß dessen eingedenk
bleiben, daß auch jeder von diesen »Dekorateuren«
ein Maler von Klasse ist. Beispiele: Fritz Erlers
silberschimmernde, wundervoll rassige Frauenakte,
Eichlers »Haberfelder«, Münzers großes repräsentatives
Porträt der Baronin Lupin. Werke von Erich
Erler, dem liebenswürdig idyllischen Lyriker, von
Voigt, der mir neuerdings fast ein bißchen zu bunt

JOSEF RIPPL-RONAI STRASSENPFLASTERER

Große Berliner Kunstausstellung 1910

ist, und von Bechler, dem Landschafter, vervollständigen
die interessante Ausstellung; zu den stärkeren
Erscheinungen der »Scholle«, den »Originalgenies«,
bilden sie die wirkungsvolle Folie. G.J.W.

AÄÜNCHEN. In der K. Graphischen Sammlung
1** ist zurzeit eine Auswahl aus den letzten Neuerwerbungenausgestellt
. Die ältere Münchner Graphik
repräsentiert Graf Pocci mit einer größeren Anzahl
seiner liebenswürdigen, jetzt selten gewordenen Radierungen
und lithographierten Gelegenheitsarbeiten.
Neuere Meisterzeichnungen wurden erworben von
Habermann, Jank, Becker-Gundahl, Kley und Pree-
torius. Die moderne Radierung und Lithographie
ist mit einigen vorzüglichen Arbeiten von Greiner,
Corinth, Boehle, Zimmermann und Robert Sterl vertreten
. Gute Bildnisse (u.a. das Porträt Paul Heyses)
werden gezeigt von Herkomer, Graf Kalckreuth,
E. Euler; die spezifisch deutsche Landschaftsauffassung
spricht aus den Radierungen von H. v. Volkmann
und W. Conz. Während der Sammlung von
Originalholzschnitten neuere farbige Blätter von
Klemm, Thiemann, Staschus und H. Schultz einverleibt
wurden, kommt die reproduzierende Holzschnitt
-Technik in Probedrucken Theodor Knesings
zur Darstellung, der der Sammlung eine große Anzahl
von Blättern aus seinem Xylographischen Institut
überwies. Von namhaften Graphikern des Auslandes
konnten mit einigen charakteristischen Proben
berücksichtigt werden die Skandinavier Larsson und
Werenskiold, die Engländer Brangwyn und Haden,
der Franzose Forain, der Holländer Israels. Endlich
sei hier noch auf die stimmungskräftigen Radierungen
des Amerikaners Joseph Penneil hingewiesen,
dessen gute Vertretung die Graphische Sammlung
der Munifizenz des bekannten amerikanischen Kunstfreundes
Hugo Reisinger
in Newyork verdankt.

DOM. Der Kampf um
* den Römischen Müllerpreis
. Noch nie, seit
die Institution des Müllerpreises
besteht,hatdie
Entscheidung der Jury so
unangenehm überrascht,
wie in diesem Jahr. Und,
scheint es, nicht völlig
mit Unrecht. Der Müllerpreis
, der bekanntlich
bald Italienern, bald
Deutschen, bald Malern,
bald Bildhauern überwiesen
wird, hatte diesmal
den deutschen Bildhauern
zuzufallen. Mit
großen oder größeren Arbeiten
, die für den Müllerpreis
in erster Linie in
Frage kommen konnten,
erschienen Elkan, Mar-
kuse, Everding, Schmidt
mit seinen überaus lebensvoll
gehaltenen bunten
Mädchenbüsten, deren
eine, die famose
»Emilia«, auch in der
Münchener Secession
einmal ausgestellt war.
Für die Hauptkandidaten

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