Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 21. Band.1909
Seite: 561
(PDF, 181 MB)
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DIE AUSSTELLUNG DES DEUTSCHEN KÜNSTLERBUNDES IN DARMSTADT

ist das jüngste künstlerische Berlin. Max
Pechstein, Max Beckmann, Heinrich Nauen
sind symptomatische Erscheinungen nach dieser
Seite hin. Wenn ich indes die Namen anderer
Berliner oder in Berlin Lebender nenne, so
verknüpfen sich damit Vorstellungen angenehmerer
Art: so bei Maria Slavona, deren
rote Bauernhäuser im Schnee von munterer
koloristischer Wirkung sind, bei Fabians hellem
Interieurstück mit den locker im Raum stehenden
Figuren (Abb. S. 571), bei Francks farbenfrohem
„Bootshafen", bei Orliks weichem
Rückenakt einer Liegenden (Abb. Jahrg. 1908/09
S. 453), bei Gablers hauchzarten Landschaftspastellen
, bei Büttners kleinen, ganz auf
den farbigen Effekt gearbeiteten Figurenbildern,
bei Julie Wolfthorns großem Frauenbildnis
in Tempera

Meine Münchner Landsleute nenne ich, soweit
ihrer nicht schon irgendwo in diesen
Notizen gedacht wurde, zuletzt: fast keiner
kam mit einem neuen Bild, das meiste haben
wir schon in Münchner Ausstellungen gesehen,
aber auch keiner kam mit einem schlechten,
ganz wenige mit einem schwächeren Bild.
Besonderen Hinweis gebe ich nur auf das
Ehepaar Caspar und auf Walter Wäntig,
dessen Selbstbildnis in Sonne (Abb. S. 574) von
jener verblüffenden Selbstverständlichkeit ist,
die man als gutes Omen für alle starke Kunst
nehmen darf. Sonst nur eine summarische
Namenliste. Von der „Scholle": Münzer,
Putz und Bechler; sonst: Groeber, Piepho
(Abb. S. 572), Hummel, Stäger, Pietzsch,
Strathmann und Schramm-Zittau mit durchaus
vollwertigen Arbeiten.

Die Plastik der Darmstädter Ausstellung hat
nicht jene augenfällige und prononcierte Einheitlichkeit
des Strebens nach Ziel und Stil,
die der Malerei eigen ist. Hier empfinde ich
nicht die resolute Modernität, die den Gemälden
des Deutschen Künstlerbundes ihr
Bestes gibt; hier vollzieht sich das Abrücken
von der Tradition viel zäher und matter. Das
ist um so bedenklicher und bedauerlicher, als
die Plastik den Urausdruck, die reinste Form
der bildenden Kunst darstellt. Eine Stilreformation
, die Geburt eines zeitgenössischen Stils,
ist ohne Beteiligung der Plastik nicht denkbar
. . . Ein unstätes Irren zeigen uns die
Bildhauerwerke dieser Ausstellung: polychrom
und monochrom, naturalistisch und stilisiert,
anknüpfend an Gotik und anknüpfend an Barock
, Plastik musealen und Plastik öffentlichen
Charakters, das alles wogt chaotisch durcheinander
, und man weiß selbst nicht, wer von

diesen Künstlern auf dem rechten Weg ist.
Liegt das Heil und der Stil in der Richtung
Hildebrands, der hier seinen fähigsten Adepten,
den Münchner Hermann Hahn, vorschickt
(Abb. S. 555)? Oder ist Volkmann auf dem
rechten Weg, an dessen Art mich Jobsts
„Phryne" erinnert (Abb. S. 561)? Oder Rodin,
dem beispielsweise Karl Albiker nachstrebt
(Abb. S. 566)? Die Frage bleibt offen — erst
muß all diese Kunst näher am Ziel sein, absoluter
und durchsichtiger werden, ehe wir uns
entscheiden können. Registrieren wir indes
die Namen einiger tüchtiger Bildhauer, die
sich mit technisch bedeutungsvollen Leistungen
eingestellt haben. So etwa Engelhardt mit
merkwürdig herben farbigen Skulpturen (Abb.
S. 573), Pöppelmann mit einem wundervoll
weich behandelten Marmor, Pfeifer mit einer
sehr glücklich komponierten Gruppe „Der Kuß"
(Abb. S. 563); endlich Pötzelberger (Abb.
S. 554), Quitmann, Stephani, Kolbe, Janssen,
Gross, Behn, die wenigstens namentlich aufgeführt
sein sollen.

HEINRICH JOBST PHRYNE
Künstlerbundausstellung, Darmstadt

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Die Kunst für Alle XXV

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