Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 51
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NEUE MÜNCHNER PLAKATE

paul'scher oderHEiNE'scher Plakate stehen
so ziemlich vereinzelt da, aber nach ihnen
beginnt nicht das Reich des Kitsches. Es
gibt zahllose junge unberühmte Künstler,
die ein gutes, wirksames Plakat zu entwerfen
verstehen. Und gerade ihre Leistungen
sind es, die das allgemeine Niveau
des Plakates bestimmen. Eine gewisse Kultur
des plakatmäßigen Ausdruckes ist Gemeingut
aller unserer Künstler. Bieten
unsere Plakattafeln auch nicht lauter Meisterwerke
, so bieten sie doch eine Fülle
hochanständiger Durchschnittsleistungen,
die ihren geschäftlichen und ihren künstlerischen
Zweck vollauf erfüllen. Es ist
heute geradezu Mode geworden, anständig
zu plakatieren. Das Beispiel, das anfangs
wenige gaben, hat rasch Nachahmung gefunden
. Es gehört zum guten Ton, daß ein
großes Haus für seine Erzeugnisse auch
eine künstlerisch einwandfreie Reklame
mache. Gewiß eine billigenswerte Gepflogenheit
und — nebenbei bemerkt — ein
neuer Beweis dafür, daß die vielverleumdete
Mode in manchen Fällen auch recht Gutes
stiften kann.

Wir haben das in München besonders

f\enogüJilhßlmstr.29,
EcfceJosephspitalstr.

L. HOHLWEIN-MÜNCHEN

WeinRestaurant UolkstWer

Schönstes Weinlokal am Platte

Inhaber Paul Uogel, alter Reiseonkel::

J. R. WITZEL-MÜNCHEN

deutlich verfolgen können. Es mag vor acht
Jahren gewesen sein, da veranstaltete der
heute in Paris lebende Ernst Neumann
mit seiner graphischen Schule eine Plakatausstellung
, die in erster Linie als Ermunterung
und Anregung für die Geschäftswelt
gedacht war. Meister und Schüler zeigten
da Entwürfe, die dartun sollten, wie sich
dieser Kreis von Künstlern das moderne
Plakat dachte: voll packender, leuchtender
Farben,voll kühner, keck zugreifender Ideen.
Es waren ausgezeichnete Einfälle darunter,
aber doch kam die Anregung verfrüht. Die
Ausstellung ging sang- und klanglos vorüber,
ihre Anregungen fielen auf unfruchtbaren
Boden. Als einziges Zeugnis der lebendigen
, auf das Plakat hinzielenden Wirksamkeit
des Lehrers Neumann blieb die Holz-
schnittmappe,die damals im Verlage R. Piper
& Comp, erschien.

Heute ist — mit anderen Mitteln und
auf anderen Wegen — erreicht, was Neumann
vielleicht vorgeschwebt hat. Es gibt
heute auf dem Gebiete des Plakates eine
„Münchener Marke", und von jenem friedlichen
Wettstreit der Firmen um die beste,
künstlerischste Art der Plakatierung legen

!

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