Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 52
(PDF, 172 MB)
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die Münchener Anschlagtafeln das rühmlichste
Zeugnis ab.

In stetiger, zielbewußter und sehr gediegener
Arbeit ist Ludwig Hohlwein hier an die
Spitze gekommen. Die Münchener Plakatmarke
ist, damit wird nicht zuviel gesagt,
seine Schöpfung. Erstens deswegen, weil sein
Name auf den hiesigen Anschlagtafeln am
häufigsten vorkommt, zweitens deshalb, weil
zahlreiche jüngere Künstler in seine Fußtapfen
getreten sind. Ohne Lehrer zu sein,
ist er der Lehrer von vielen geworden. Und
was er ihnen zu bieten und mitzuteilen hat,
ist eine entzückende Frische und Knappheit
des zeichnerischen Ausdrucks, die breite,
flächige, ganz auf das Schwarz-Weiß-Prinzip
aufgebaute Art der Arbeit und die peinlichste
Beobachtung der Grundgesetze des Flächenschmuckes
. Frisch, temperamentvoll und geistreich
, dabei aber doch voller stilistischer Haltung
, sind seine Arbeiten immer der lithographischen
Technik und dem Zwecke auf
das genaueste angemessen. In der Sicherheit
der koloristischen Disposition ähneln seine
Plakate den Lösungen mathematischer Aufgaben
. Sparsamer, richtiger und erschöpfender

als Hohlwein in seinen vollwertigen Blättern
kann sich der Plakatkünstler nicht ausdrücken.
Unnachahmlich ist die Art, wie er seine Figuren
in den Raum und in die Fläche bringt,
einem untrüglichen Gefühle folgend, das ihn
besser als alle Theorie vor Verstößen gegen
die Gesetze des Flächenschmuckes bewahrt.
Um Hohlweins ganze Art zu kennzeichnen,
könnte man vielleicht sagen, er habe die
Fähigkeit richtiger, taktvoller Disposition zur
Kunst erhoben. Ludwig Hohlwein — das
ist weltmännischer Takt und Geschmack, das
ist urgesundes Gefühl für das Schickliche und
Notwendige, für Feinheit des Auftretens, für
Kultur der Gebärde. Mit unbestechlicher
Sicherheit weiß er den Punkt zu finden, von
dem aus die Schrift ornamentartig, als Flächenschmuck
wirken kann. Der einfachste
Weg ist ja der, die Schrift als Sockel oder
als „Hauptgesims" zu verwenden. Hohlwein
bescheidet sich dabei nicht gerne. Für ihn
wird die Schrift, die so manchem Plakatkünstler
als lästiger Ballast gilt, nur zu einem neuen
schmückenden Motiv, geeignet, räumliche Vorstellungen
zu verstärken und das ganze Blatt
kräftig in die Fläche zu drücken.

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