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NEUE LINOLEUM-MUSTER DER „ANKER-MARKE"
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< ENTWURF: ERICH KLEINHEMPEL-DRESDEN
Jls ein Industrieerzeugnis, das
neuen Bedürfnissen dient, hat
sich das Linoleum im heutigen
Leben unentbehrlich zu machen
gewußt. Für Räume, in denen
die größte Reinlichkeit erforderlich
oder erwünscht ist, die aber schnell und
oft gereinigt werden müssen, hat es sich als
der beste Bodenbelag erwiesen, und man kann
sich heute kein größeres öffentliches Gebäude,
sei es nun Krankenhaus oder Schule, Verkehrsbureau
oder Kunsthalle, ohneLinoleum denken.
Trotzdem aber hatte dieser Stoff mit größeren
Vorurteilen zu kämpfen, als es bei neuen Industrieerzeugnissen
sonst der Fall zu sein
pflegt. Man sah es in weiten Kreisen doch als
ein Surrogat an. Dieses Vorurteil kam daher,
daß das Linoleum zuerst wirklich auch als
Surrogat auftrat und in seiner Ornamentierung
die Wirkung anderer, edlerer Stoffe nachzumachen
suchte, Granit, Terrazzo, Marmor,
Parkett, ja man imitierte sogar Teppiche. Das
Linoleum besitzt aber, wenigstens soweit es
sich um Inlaid, also durchgemustertes — im
Gegensatz zum bedruckten — Linoleum handelt
, Materialcharakter genug, um auch in der
ENTWURF: ERICH KLEINHEMPEL-DRESDEN
Ornamentierung seinen eigenen Stil zu haben.
Dessenungeachtet behandelte es die Fabrikation
aber nicht darnach, und so trug sie
selbst zur Verbreitung dieses Vorurteils bei.
Die neuzeitliche Bewegung in Kunstgewerbe
und Industrie hat sich bei den allgemeinen
Reorganisationsversuchen aber auch dieses
Gebiet nicht entgehen lassen, und heute gehört
dieser Stoff zu jenen, die unsere Innenarchitekten
mit Vorliebe verwenden. Die Industrie
geht auch hier mit den Künstlern zusammen
. Den entscheidenden Schritt hat seitens
der Industrie die Linoleum fabrik „Anker-
Marke" in Delmenhorst getan. Seit einigen
Jahren steht sie mit einer Reihe von Künstlern
in Verbindung, die ihr Entwürfe liefern, und die
auch bereits auf die in der Fabrik arbeitenden
ungenannten Zeichnereinen heilsamen und sehr
erfreulichen Einfluß ausgeübt haben. Genannt
seien hier vor allen die Namen Peter Behrens,
Bruno Paul, Albin MüLLERundCARLEEG. Sie
haben eine Anzahl von sehr materialgerechten
und dekorativ ansprechenden Mustern entworfen
, die in kurzer Zeit auch eine lebhafte
Nachfrage gefunden und dadurch ihre Brauchbarkeit
, ja Notwendigkeit bewiesen haben.
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