Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 55
(PDF, 172 MB)
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o

NEUE LINOLEUM-MUSTER DER „ANKER-MARKE"

ENTWURF: ALBERT GESSNER-CHARLOTTENBURG

Macht man sich nun einmal die technischen
Bedingungen dieses Materials klar, sowie die
aus ihnen resultierenden Forderungen für
seine dekorative Behandlung, so wird man
finden, daß diese nicht so streng sind, wie
bei anderen Techniken, z. B. der Holzindustrie
oder der Weberei. Es ist dem entwerfenden
Künstler ein ziemlich weiter Spielraum gelassen
. Umso größer muß nun aber natürlich
sein Stilgefühl sein — denn man hat
in der Entwicklung des modernen Kunstgewerbes
die Erfahrung gemacht, daß die
Haltlosigkeit im Dekorativen im parallelen
Verhältnis steht zur Bequemlichkeit, die das
Material bietet, daß also z. B. relativ viel
mehr schlechte Tapeten gemacht wurden als
mißglückte Teppiche. Die bei der Herstellung
des Linoleums sich ergebenden Hemmungen
für die Willkür der Verzierungsweise sind nun
einmal der zähe klebrige Charakter des in
der Verarbeitung befindlichen Stoffes, welcher
der Feinheit der Musterlinien gewisse Grenzen
setzt, dann die nicht zu berechnende Willkür
des „Korns", das sich bei der Mischung
von zwei oder mehr Farben als leicht bewegter
und tonig wirkender Grund ergibt. Fer-

ENTWURF: ARCH. VAN DER SLUYS

I

ner ist noch in Betracht zu ziehen, daß die
Muster alle mit Hilfe von Schablonen durch
Füllung hergestellt werden, daß also ein bestimmter
Charakter der Flächendekoration hier
von vornherein gewahrt werden muß, und
schließlich, daß ein allzu weites Entfernen
von den geometrischen Grundformen immer
etwas Willkürliches, wenn nicht Gewaltsames
haben wird.

Die neuen Muster, die wir heute veröffentlichen
, sind im Sinne der hier kurz angedeuteten
Gesichtspunkte als glückliche Leistungen
zu betrachten. Materialgerecht sind
sie erdacht, und ihre dekorative Wirksamkeit
dürfte sich sehr schnell erweisen. Ob man
nun die mehr geometrischen Formen vorzieht,
wie sie Albert Gessner (Charlottenburg)
mit seinem Streifen- und Netzmotiv und
Albin Müller (Darmstadt) mit dem reizvollen
Knoten oder dem auf der Kreuzform beruhenden
Muster oder der Holländer van der
Sluys in seinem Kreis- und Perlmotiv bringen,
oder ob man dem bei allem Reichtum doch
sehr streng wirkenden Mistelzweigmuster
Erich Kleinhempels (Dresden) den Vorzug
gibt, ist nicht mehr Sache von größerer oder ^

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