Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 59
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JOHANN VINCENZ CISSARZ

REMAGEN MIT DER APOLLINARIS-KAPELLE (KREIDEZEICHNUNG)

Gebiete der graphischen Reproduktion eingetreten
, der schlechterdings nicht mehr überboten
werden kann. Man reproduzierte ohne
Rücksicht auf künstlerischeund technische Einheit
des Buches. Vergegenwärtigt man sich den
Stand der deutschen Buchillustration Mitte der
neunziger Jahre, so wird man klar erkennen,
welche Stärke des Impulses dazu gehörte, daß
endlich auch das Auge des Volkes am echten
, edlen Schmuck des Buches Freude fand.
Unter jenen, die als Bedingung einer künstlerischen
Wirkung technische Einheit von
Schrift und Schmuck forderten, stand Cissarz
in Deutschland an erster Stelle. Diese Forderung
hatte, logischerweise, soweit es sich
um Bücher mit Massenauflagen handelt, einen
bedeutenden Aufschwung der Federzeichnung
zur Folge; denn das Vervielfältigungsmittel,
das der gegossenen Type entspricht, ist die
Strichätzung. Sie verlangt vom Original eine
klare, dem aus Strichen bestehenden Buchstaben
verwandte Formgebung. So wurde die
meisterliche Handhabung der Zeichenfeder,

oder was dasselbe ist, die Herrschaft über
Form und Hand, die Voraussetzung der Führerschaft
in dieser Bewegung. Cissarz teilt diese
Herrschaft mit vielen andern Zeichnern unserer
Tage. Was ihn unter ihnen hervorhebt
, ist, daß er sich einen eigenen Stil geschaffen
hat. Er nahm seine Anregungen nicht
aus Paris, wie viele der Simplicissimus-Künst-
ler, nicht aus London oder Glasgow wie Vogeler
und manche Wiener, nicht aus der klassischen
Zeit der deutschen Zeichenkunst wie Sattler,
Lechter oder Hupp. Seine individuelle Hand
kann kaum mit einer vorher vorhandenen in
Zusammenhang gebracht werden. Die Zeichnungen
zu „Der deutsche Spielmann", zu
Avenarius „Wandern und Werden", zu Helene
Voigt-Diederichs „Unterstrom" und zu den
von Gebrüder Klingspor herausgegebenen
Rhein- und Mosellandschaften stellen, obwohl
sie die Jahre der Entwicklung markieren, eine
künstlerische Einheit dar. Eine verinnerlichte
Art, die Natur zu spiegeln, die trotz der handlichen
Fertigkeit niemals in Manier ausartet.

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