Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 84
(PDF, 172 MB)
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KELLER

GRUNDRISSE DES EINFAMILIENHAUSES AUF SEITE 82/3

aus mehr günstige Momente zur Geltung kommen
, als es gegenüber den Wohnstätten in
Rückgebäuden und dumpfen Hinterhöfen, für
die Niederlassungen der Besitzlosen überhaupt
der Fall ist, — auf der andern, bei Ausstellungen
von „Wohnungskunst" Unmassen von
Herrenzimmern, von Damen-, Rauch-, Musik-,
Speise-, Bibliothek-, Billard- und anderen
Zimmern, die der Raumteilung der Ausstellungshallen
sich anbequemen müssen, unmöglich
aber als etwas aus dem Wesen des Hauses
Hervorgegangenes bezeichnet werden können.
— Krupp hat als erster Veranlassung dazu
gegeben, die Herstellung billigen, in der Form
gefälligen, technisch solid gearbeiteten Hausrates
anzustreben. Daß dies möglich ist, bewies
die Folge. Allmählich bürgert sich erfreulicherweise
die Ueberzeugung gerade in
den Kreisen der wenig Begüterten und der
Arbeiter ein, daß derlei Erzeugnisse dem mit
allerlei aufgeleimtem Drechsler-Zierwerk versehenen
Schund vorzuziehen sei.

Wirkliche Wohnungskunst entwickelt sich
nur im Rahmen des Eigenhauses. Seine Räume,
sei ihre Ausstattung auch noch so einfach, müssen
in gleich nahen Beziehungen zueinander
stehen, wie seine konstruktiven Teile. Das ist
der Grund, weshalb sich früher eine bürgerliche
Wohnungskunst zu entwickeln vermochte,
weshalb weiter noch heute in tausend und
abertausend relativ gar nicht alten Bauernhäusern
der Schweiz, Oesterreichs undDeutsch-
lands die wohnlichen ganz einfach vertäfelten
Stuben, die großkacheligen bunten Oefen ein
wohltuendes Ensemble bilden, weshalb auch
Englands Beispiele den Anstoß zu einer Neubelebung
der Wohnkunst geben konnten, weshalb
endlich Amerika, d. h. die Vereinigten
Staaten ein Ausmaß an Wohnbehaglichkeiten,
selbst im bescheidenen Hause, aufzuweisen
haben, wie es in der Alten Welt nicht in gleichem
Verhältnis vorzufinden ist. — Für den
weitaus größten Teil unseres Volkes ist das
noch Kaviar. Wer indes den vorzüglichen
Unterrichtsgang der Volks- und Fortbildungsschulen
einmal genau verfolgt, wie ihn vor
allem Münchens diesbezügliche Muster-Einrichtungen
bieten — ihre Wirkung reicht weit
über das Weichbild der Städte hinaus — der
kann nicht im Zweifel darüber sein, daß sich
ein allgemeiner Hebungsprozeß der Massen
anbahnt, der nicht bloß auf die intellektuellen
Eigenschaften mächtig wirkt, sondern auch das
Empfindungsleben nachhaltig zu beeinflussen
geeignet erscheint. Damit wird sich auch eine
neue Phase der Entwicklung in der Wohnungs-
Umgehung der arbeitenden Elemente bilden.
Noch ist ja die Erwerbung des Eigenhauses

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