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GEORG RÖMER-MÜNCHEN
MEDAILLEN UND PLAKETTE
drei Männer zu jeeiner
Gruppe von sehr starkem
Zusammenhang
komponiert wird.
Und Kompositionsprobleme
von größerem
Umfang noch
stellen die schönen
Reliefs dar, mit denen
Roemer das von Martin
Dülfer neu erbaute
Theater in Lübeck
geschmückt hat.
Es ist ein Zeichen für
Roemers Ernst, daß er
bei solchen Aufgaben,
die gewöhnlich im
leichten Sinn einer
flotten Dekoration gelöst
werden, so gründlich
„komponiert".
Damit haben wir
aber denjenigen Punkt
berührt, der in Roemers
Schaffen neben
der Material frage —
oder vielmehr dieser
übergeordnet — das wesentlichste
ist: sein Streben
geht stets auf die
„Komposition" oder,
um es allgemeiner zu
sagen, so daß auch die
Einzelfigur mit inbegriffen
ist, auf den Zusammenhang
der Er-
scheinung.
Die Deutlichkeit und
Einheitlichkeit des
künstlerischen „Vorgangs
", der ein Vor-
«33 '
!
gang in unserer Sehtätigkeit
ist: darauf
allesGewichtzu legen,
das war die große
Lehre, die Roemer in
Florenz aus dem Schaffen
der großen Alten
und Adolf Hildebrands
sich zu eigen
machte. Hinter diesem
Ziel bleibt für
ihn alles übrige zurück
: Naturnähe,Tem-
perament, Neuheit des
Einfalls. In den grossen
Problemen der alten
Plastik sieht Roemer
so sehr die Probleme
, daß er auch für
sich sie wiederum zu
lösen sucht. Das ist
weder Phantasielosig-
keit, noch die Absicht,
alte Wirkungen zu
imitieren. Es ist die
Gründlichkeit einer
schweren Natur, die in
der alten Kunst die
große Einheit gesehen
hat und aus dieser Einsicht
heraus mit den
elementaren Problemen
ringt. Und in der Tat
liegt über Roemers Werken
etwas von dem
schwermütigen Ringen
um eine Vollkommenheit
, die unserer Zeit
schon so fernegerückt
ist.
Walter Riezler
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