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W. PENNAAT-AMSTERDAM
SPEISEZIMMER IN GEBEIZTER EICHE
AUSFÜHRUNG: DE WONING, AMSTERDAM
dem keine grellen Farben und absonderlichen
Formen von geistiger Arbeit ablenken. Die
eine Wand ist mit dem Kaminumbau und eingebauten
Bücherschränken bedeckt. Statt mit
Glas sind diese mit gespanntem Stoff verschlossen
; so bekommt die Luft Zutritt und
der Staub wird abgehalten, was beides für die
Erhaltung von Büchern unerläßlich ist. Wer
sich ein praktisches und doch nicht amerikanisch
nüchternes Arbeitszimmer anschaffen
will, kann hier manche Anregung finden.
Klassisch schön ist Pennaats Salon in gewachstem
Mahagoni, dessen warmes, mit Ebenholzeinlagen
gedämpftes Rot sehr fein zum
ockergelben, mit wenig hellem Blau und Rot
verzierten Teppich gestimmt ist. Den Holzteilen
zum Schmuck dienen geometrische,
aus Schnitzerei und Einlagearbeit zusammengesetzte
Motive; die konstruktiven Linien
sind durch eingelegte Ebenholzstreifen betont.
Durch einen Vorhang ist eine kleine Plauderecke
abgeschlossen, die durch ein hochgelegenes
Fenster ein warmes, gelbes Licht erhält.
Das große Speisezimmer von J. van den
Bosch zeichnet sich durch eine ungemein
warme und heitere Farbenstimmung aus. Zu
der gewachsten Eiche ist das satte und doch
nicht grelle Rot des Knüpfteppichs und der
Tapete getönt; dazu kommt etwas Gelb und
blankes Messing. Sonst zeigt dieses Zimmer
nicht völlig die trefflichen Verhältnisse zwischen
Gesamtraum und Möbeln und auch
nicht die gleiche Eleganz der Formen wie die
Schöpfungen Pennaats. Ueber die andern Arbeiten
van den Boschs und die des modernen
Gotikers Berlage, der sich als solcher auch in
seinen Innenräumen zeigt, zu berichten, erübrigt
sich, da wir sie nicht im Bilde zeigen.
Nachzuahmen braucht man diese holländischen
Räume in deutschen Landen nicht; es
haftet ihnen etwas Fremdes an, das man nicht
leicht überwindet. Aber man kann sehr viel
von ihnen lernen. Und zwar in erster Linie,
daß man jeden Naturalismus, jeden Rest des
Jugendstils zu überwinden vermag, ohne in
historische Nachahmungen zu verfallen. Und
ferner, daß man Eleganz und abgerundete
künstlerische Wirkung erreichen kann ohne
jede Extravaganz, nur durch restlos reine
(durch geometrische Konstruktion erreichte)
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