Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 114
(PDF, 172 MB)
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GESCHENKE

VOM SCHENKEN ÜBERHAUPT

O

;ch könnte auch sagen: vom Glück
des Beglückens. Denn das er-
4 blüht dem Geber als eine feine
vq Gegengabe, und nur wer um
dieses erlesenen Glückes willen
gibt, sollte eigentlich schenken
dürfen. Er allein weiß die Gabe wie den Empfänger
so zu wägen, daß aus der Berührung
beider die echte Freude am Geschenk aufblüht
und jener echte Dank, der das Geben
so schön belohnt. Dieses Schenken ist eine
Kunst, ein Teil der allgemeinen Lebenskunst
und also eine verteufelt schwierige Sache.

Laßt es euch dreimal sagen, ihr Eltern und
Geschwister, ihr Tanten, Onkel und Freunde
weit und breit: eine verteufelt schwierige
Sache! Ein jeder von uns hat das oft genug
empfunden, wenn er dasaß in seinem Jammer,
kurz vor Weihnachten, vor dem Geburtstag,
und mit sich rang: was soll ich meiner Tante
schenken? Nicht jeder kam zu dem erlösenden
Schluß jenes Studenten, der erleuchtet
rief: „Ich will ihr gar nichts schenken —
vielleicht schenkt sie mir was!" Der Pflichttag
stand vor der Tür, drohend, unerbittlich.
„Sie hat aber doch schon alles, die Tante,"
seufztest du, nicht wahr? Alter Heuchler, du
wußtest vielleicht ganz gut, wo es ihr fehlte!
Aber die Kristallschale oder das Sofakissen,
das sie neulich so feurig bewunderte, — dergleichen
war dir zu teuer, sagen wir: um
2,25 M. zu teuer. Zur rechten Zeit besannst
du dich, daß es so etwas wie einen Galanterieladen
gäbe, und als galanter Zeitgenosse —
du könntest ganz gut auch eine Genossin sein
— gingest du stracks dorthin und erleichtertest
dein Gewissen.

I

„Zum eigenen Gebrauch?" fragte die elegante
junge Dame hinterm Ladentische vorsichtig
.

„Ach nein, nur zum Geschenk." sagtest du
begütigend, ahnungslos, wie sehr du deine
brave Tante in diesem schnöden Augenblicke,
durch dieses schnöde „nur" verrietest.

„Dann" — so nahm das Fräulein gleichmütig
ihren Faden wieder auf — „dann empfehle
ich Ihnen diesen Briefbeschwerer, der
den berühmten Eiffelturm darstellt. Echt
bronziert und wie aus einem Guß. Oder
diesen niedlichen Briefkasten hier in Form
eines Schweizerhäuschens?"

Nach einigem Schwanken nahmst du den
Eiffelturm, weil er doch nach mehr aussah.
Außerdem war's ein Einfall. Die Tante nahm
besagten Einfall dankbar lächelnd in Empfang.
Hättest du ihr den richtigen Eiffelturm geschenkt
— sie hätte ihn zwar auch nicht
brauchen können, aber zurückgewiesen hätte
sie ihn ebensowenig. Geschenke weist man
bekanntlich nie zurück, man macht höchstens
hinterm Rücken des Gebers seinem vollen
Herzen Luft. Auch der Umtausch soll, selbst
wenn er ausdrücklich angeraten wird, nicht
von allen Schenkenden gleich gut vertragen
werden. Sie fühlen sich dann „persönlich
verletzt".

In dieser Empfindlichkeit, die so konventionell
anmutet, steckt im Grunde eine sehr
berechtigte, sehr sinnvolle Konvention. Heute
wissen wir es im allgemeinen noch kaum
anders und besser, als daß man Geld in seinen
Beutel tut und zumeist irgend eine Luxusware
kauft, die je nach Geschmack und Gelegenheit
, je nach der herrschenden Mode

O

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