Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 120
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PAUL WYNAND-HOHR

AUSFÜHRUNG : SIMON PETER GERZ I, HÖHR

NASSAUER STEINZEUG

wechselt, manchmal auch einem wirklichen
Bedürfnis angepaßt ist. Dieser Ankauf wird
uns eigentlich sehr leicht gemacht durch ein
verblüffendes Angebot einer ausgedehnten
Fertigfabrikation. In früheren Zeiten, wo statt
der Industrie das Handwerk und die „Manufaktur
" (d. h. hier soviel wie Großhandwerk)
den Bedarf deckten, erforderte ein Geschenk
weit mehr Nachdenken, forderte es nicht nur
den Geschmack des Handwerkers, sondern
auch den seines Bestellers heraus. Dessen
Ehrgeiz war, der Gabe sozusagen „ein Stück
von ihm", dem Geber, einschaffen zu lassen,
irgend eine persönliche Beziehung zu dem
Menschen, der beschenkt werden sollte. Der
eine Besteller wünschte ein bestimmtes Material
, meinetwegen eine Tabatiere aus Rosenholz
und keineswegs aus Mahagoni, er wollte
die Einlagen in Elfenbein und keine Beschläge

aus Silber; der andere legte Gewicht auf bestimmte
Formen, die der Empfänger liebte
oder die der Geber für besonders schön und
zweckmäßig hielt. Der Besteller handelte wie
ein kleiner Mäcen und fühlte sich auch so.
Ein auf diese Art mehr oder weniger sorgfältig
und liebevoll vorbereitetes Geschenk
war also so etwas wie ein Kulturprodukt im
tieferen Sinne: es repräsentierte nicht nur
zu seinem Teile den herrschenden Kulturstil,
es förderte ihn auch, es erweiterte ihn, als
ein winziges Blatt nur am großen Lebensbaume
der Zeit, aber doch als ein besonderes
Blatt.

Wer so als Besteller mit seiner Gabe verwachsen
war, wer sie als Empfänger in Obhut
nahm, der mußte sie, so oder so, mit
anderen Augen ansehen, als man's heute gewohnt
ist. Die persönliche Beziehung, die

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