http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0145
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tritt, daß es eine Versündigung am Geist
des Materials bedeutet, unsolide und geschmacklose
Ware daraus zu formen, wird den
Materialschaden bedauern, der durch diesen absichtlich
gesteigerten Verbrauch angerichtet
wird. Den Schaden trägt überdies unser Nationalvermögen
mit, wir zahlen bekanntlich
ans Ausland für die Rohmaterialien auch
dieser Geschenkindustrie beträchtliche Summen
. So roh und gering ist aber keine Materie
, daß sie nicht durch den Geist einer
Form veredelt und nationalwirtschaftlich auf
die Gewinnseite gebucht werden könnte. An
sich ist kein Material weder gut noch böse,
unser Denken erst macht es dazu — philosophiert
Hamlet.
In dieser Erkenntnis wurzelt das moderne
Kunstgewerbe. Und die Frage ist nun, wieweit
es heute, nach einem reichlichen Jahrzehnt
angestrengter Versuchsarbeit, den individuell
verfeinerten Bedürfnissen nach Geschenkartikeln
entgegenkommt.
NEUE KUNSTARBEITEN ALS
GESCHENKE
Die zwei Hauptaufgaben, die das neue
Kunsthandwerk sich stellen mußte, waren:
die Erneuerung des Anschlusses an die Wirklichkeit
, an den gewandelten Alltag; zum
zweiten die Wiedergeburt einer persönlichen
Kunstform, die gleichzeitig das allgemeine
Zeitbewußtsein der Gegenwart entschieden
aussprach. Der Alltag kam und sagte: Ich
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SERPENTIN STEIN-ARBEITEN, TEILWEISE MIT HALBEDELSTEINEN (OPALEN, ROSENQUARZ) VERZIERT. ENTWÜRFE
VON MAX PFEIFFER, E. WIEDERHOLD U. G. HENTZE □ VERTRIEB: KUNSTGEWERBEVERLAG ARTA, MÜNCHEN
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