http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0146
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r. malcher □ schreibzeug aus graugrünem
serpentinstein h vertrieb: kunstgewerbeverlag
arta, münchen
gen, die uns immer noch zu schaffen machen
und nie ganz aus der Welt zu schaffen sind, hier
nichts weiter zu sagen. Nur so viel: ein Kampf,
der von so grundverschiedenen Grundsätzen
hüben und drüben geregelt wurde, mußte immer
ungleich bleiben. Eigentlich kämpfte man —
wie im Leben so oft — an einander vorbei. Die
Handwerkskunst hatte überdies nach zwei
Fronten gerüstet zu sein: die Industrie wollte
überholt und abgewehrt, das Publikum aber
g. hentze □ Blumenschale aus serpentinstein wollte erobert sein, auch diejenigen Konsumenten
, die eigentlich „prinzipiell" — wir stoßen
brauche das und das, elektrische Lampen, eben überall auf grundsätzliche Härten —
Schreibzeuge, Teller und Töpfe, Kinderspiel- schon für die neue Kunst, für ihr Programm
zeug. Bisher hat man mir das billig
und verbürgt künstlerisch nach bewährten
Mustern geliefert. Von
Kunst verstehe ich nicht viel, aber
ich sehe ein, daß es Dinge geben
muß, die nicht praktisch sondern
künstlerisch sind, um das Leben zu
zieren. Wollt ihr Reformer neue
Kunst machen, meinetwegen. Aber
was kostet sie?
Die Antwort der neuen Kunst
war sehr persönlich, sehr anders,
sehr teuer. Da zuckte der Alltag
die Achseln und sagte: Dann muß
ich zu meinen alten Lieferanten
gehen. Denn warum soll ich für
diesen Luxus mehr ausgeben als
bisher ?
Nun erst begann der eigentliche
Kampf im Kunstgewerbe. Ein
Kampf, der unter der Devise aus-
gefochten wurde: hie Handwerk,
hie Industrie. Ein Kampf, der an
Schärfe nicht verlor, als die Industrie
sich beflissen zeigte, gewisse
Formen der Handwerkskünstler
zu übernehmen und volkstümlich
zu machen. Denn diese Volkstümlichkeit
war ein sehr billiges
Vergnügen. paul bischoff, Schreibzeug□ bernh. wenig, rauchgarnitur
Ich brauche Über diese Verirrun- Ausführung in bronze: richard l. f. schulz, Berlin
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