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Freunde war er angesehen und beliebt, er
gab gerne und mit Kunst, man sagte anerkennend
von ihm: der schenkt nichts Schlechtes
. Unwillkürlich schloß man von der Gabe
auf die jeweilige Gesinnung nicht nur, sondern
auf den gediegenen Charakter des Gebers,
und man täuschte sich nicht. Solche Gediegenheit
ist es, die unser Kaufen und Verkaufen
, unser Geben und Empfangen, unser
Sein und Wirken überhaupt beherrschen sollte.
Wenn wir nun vom Allgemeinen zum Besonderen
übergehen, soweit es durch die Abbildungen
erläutert wird, so soll es nicht
unsere Aufgabe sein, Zensuren zu erteilen,
sondern lediglich auf Merkmale schöner und
zweckmäßiger Gestaltung aufmerksam zu
machen und vor Surrogaten zu warnen.
METALLARBEITEN
Edle und unedle Erze sind zwei Krankheiten
des Geschmackes besonders unterworfen
: der Ornamentiasis und der Imitation.
Dem Ornament stehen wir heute so skeptisch
und zaudernd gegenüber, nicht aus Abneigung
gegen diesen altüberlieferten „Dekor"
an sich, sondern mehr mit dem Gefühl des
verdorbenen Magens: wir haben zuviel angewandte
Ornamentik schlucken müssen, aus
dem Tier- und Pflanzenreich. Nun scheint
es uns beim geometrischen Rhythmus am
wohlsten zu sein, dessen schlichte Gesetzmäßigkeit
jede sinnig geschmacklose Symbolik
, die man aus unverdautem Mittelalter
aufzuwärmen liebt, einigermaßen ausschließt.
Also Vorsicht allen aufdringlichen Schnörke-
leien gegenüber, sie sind, auch wenn wirklich
Handarbeit in ihnen steckt, ästhetisch fast
immer anfechtbar.
Die Imitation wertvoller Materialien, wie
Bronze und Kupfer, und bewährter Stilformen
wird begünstigt durch billige Legierungen, die
unter dem Namen „Kunstguß", „Zinnguß",
„Irisierende Kunstbronze nach Pariser Art"
usw. von den größten Metallwarenfabriken in
Massen und wohlfeil auf den Markt geworfen
werden. Galvanoplastische Nachbildungen, von
Seetieren, alten Silber- und Goldgeräten geben
sich für Kunstgewerbe aus. Vorsicht diesen
Artikeln gegenüber! Auch Vergoldungen und
O
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