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MAX LÄUGER □ AUS DER GÖNNERANLAGE IN BADEN-BADEN □ SKULPTUREN UND VASEN VON JOSEPH FLOSSMANN
MAX LÄUGER UND SEINE GÄRTEN
luge, weitgereiste Leute behaupten
, daß der Wesensunterschied
von Nord und Süd bei unsgrößer
sei, als derjenige zwischen dem
Süddeutschen und dem Franzosen
etwa. Und die Dichter
sagen ja, daß an der glücklichen Vereinigung
dieser beiden Gegensätze dereinst die Welt
genesen soll. Das kam mir in den Sinn, als ich
mich jüngst im badischen Ländle ein wenig
umtat, vorzüglich um einen zu besuchen, der
jene oben angedeutete süddeutsche Wesensart
in Reinkultur darzustellen scheint und — vielleicht
auch schon den ersten „Uebergang":
den Hochschulprofessor Max Läuger in Karlsruhe
, unter Erwachsenen „Läuger", was einfacher
und wohl auch weiter klingt.
Denke ich an die genußreichen Stunden
dort, so wird mir warm. Der kecken Bitte
freundliche Gewährung in der Tasche, durchschnüffelte
ich nach Herzenslust des Meisters
Atelier. Was sah und vernahm ich da nicht
alles!: Möbel- und Innenausstattungen, womit
er begann und denen er noch heute — merkwürdig
, wer denkt beim Tone „Läuger" eigentlich
an Räume? — einen guten Teil seiner
Arbeitskraft widmet. Von Räumen zu Raumgruppen
, Baukörpern, Landsitzen, ja ganzen
Siedlungen. Weiter sah ich eine Folge von
sauberen Aquarellen, Pflanzenstudien aus
früher Zeit und nicht so saubere, aber dafür
viel schönere von Reisen her im farbenfrohen
Morgenland, so unbedachtsam frisch, so dünn
und fließend und „wie noch naß" von Farbe.
Darüber vergesse ich beinahe unseres
Meisters Keramik. Natürlich genoß ich davon
die schwere (und gute) Menge, sogar am Orte
selbst, im Hafnerstädtchen Kandern, und zwei
große schwarz - weiße Leuchter unter den
letzten Arbeiten, Leuchter von fast monumentaler
Wirkung, gaben mir einen Begriff
von der Steigerungsfähigkeit dieses Materials.
Aber was sollen uns Räume, Bauten, was
schließlich tönerne Scherben! Das können,
so gut sie sind, auch andere noch außer
unserm Meister. Von seinen Gärten wollte
Hl
II S II S II SBC
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