Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 163
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MAX LÄUGER □ AUS DER GÖNNERANLAGE IN BADEN-BADEN □ SKULPTUREN UND VASEN VON JOSEPH FLOSSMANN

ich ja reden, von neuer Gartenkunst.
Denn da „kann" noch nicht jeder. Nur hie
und da ahnt einer schon was. Daß diese in
Beziehung und Einfluß zu einem menschenwürdigen
Dasein so ungemein tiefgreifende
Bewegung bis heute noch nicht eigentlich
populär werden konnte, das schreibe ich,
mit Recht oder Unrecht, hier der Sterilität
im Erkennen, folgerichtig dem propagandistischen
Versagen unserer Kunskritik zu, die
doch sonst alles gegängelt haben will. Wenn
Kritiker sein bedeutet: Werte mitzufühlen vor
andern und mitzuteilen in der Sprache der
andern, rezeptive Begabung erziehen, Kontakt
, Echo, Hintergrund und Folge zu schaffen,
ohne die auch die heroischste Kunsttat blutloses
Schemen bleibt — dann haben der
jungen Gartenkunst Richter und Führer bisher
ihre „Berufung" zuschanden geschrieben!
Mannheim, noch heute in aller Erinnerung,
war ein Schulbeispiel: In Schultze-Naum-
burgs vegetativ übrigens nicht einmal sehr
sauberer Rekonstruktion eines Biedermeier-
Gartens sah der eine schlechtweg „die" Tat
er konnte sich nicht soweit zur Objektivität
zwingen, um zu bemerken, daß es

allein die Raumwirkung der vier Mauern
war, die ihn erhob. Und der rücksichtslose,
feierlich-strenge Gartenhymnus Peter Behrens
' erschien „unsympathisch". Das Beschämendste
am Mangel kritischer Konzentration
aber leistete sich einer der Behendesten
unter ihnen, da er das deutsch-japanische
Stilgewinsel des Henckel-Gartens mit seinen
Mätzchen und Bluffs (aber gärtnerisch gut unter
der Fuchtel) als eine krönende Leistung in den
siebenten Himmel hob. Er übersah, daß er an
dieser Stelle nicht über Pflanzen z u c h t zu urteilen
hatte, sondern bestenfalls über ihre Anordnung
. Bei Läuger endlich, dem Matador dieses
Kreises damals, sammelte sich das Interesse
um das Bad, weil seine Tugend augenfällig
war. Aber, wer registrierte die Feinheiten
der Proportionen im rückwärtigen Garten-
gefüge oder gar die für diesen damals ja
noch ganz Landfremden unerhört kühnen Materialexperimente
, die Goldulmenalleen und
die farbigen Hecken, die Silberpappeln- und
Birkenhaine um den kühlen Fliesenhof u. a. m.?
— Wer bemerkte außer dem, was sich realistisch
noch unvollkommen, unklar zeigte, zeigen
mußte — Ausstellungsgärten sind ihrer

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