Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 164-165
(PDF, 172 MB)
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Natur nach fragmentarisch — jene Ansätze
im Geiste vollendend, auch das bleibend Wertvolle
, solche Fingerzeige in glückliche Fernen?
Einen hohen Ring, Hecke oder Mauer um
diese Gärten, fünf Jahre Frist und einen nicht
ganz verbildeten Fachmann, ich meine: die
Herren hätten den Atem angehalten vor diesem
Glühen und Blühen und rhythmischen Reigen,
diesen beseligenden Gartenträumen. (Vgl.
Juliheft 1907.)

Eben dieser Läuger hat nach Mannheim
eine ganze Reihe von privaten Gärten projektieren
und ausführen können und auch
einen öffentlichen: die neue Gönner-Anlage
zu Baden-Baden, deren Abbildungen diese
Ausführungen begleiten. Just einen „Oeffent-
lichen" — wer meine Ansicht über diesen
Punkt kennt, wird es verstehen, wenn ich
Läuger, diesem zurückhaltenden, allem Rauhen
abholden, durch und durch adligen Menschen,

diesem verspäteten Typ einer gewesenen individualisierenden
Kultur, wenn ich diesem
Schöngestalter und Nur-Former ein wenig
mehr sozialen Instinkt, etwas Freude auch am
fruchtbaren Lärm unserer Tage, oktroyieren
möchte. Nicht, daß er's gerade für sein
Leben brauchte, aber unsere Entwicklung
in öffentlichen Gartendingen braucht vielleicht
seine Arbeit. Denn so klar es ist, daß die
großen Aufgaben der Zukunft vorzugsweise
sozialer Natur — für die „Masse" von der
Masse in Auftrag gegeben — sein werden,
so sicher ist es auch, daß die großen richtunggebenden
Begabungen, die hierfür in
Frage kommen, noch überaus dünn gesät
sind. Und das gilt auch von der für uns als
Mensch und Volk gleich wichtigen Frage nach
der Gestaltung des öffentlichen Parks der Zukunft
. Was Läuger uns hier, sozial interessiert
, sein könnte, ist zu ermessen, wenn wir

sehen, was er schon so, wie er ist, gab beim
verflossenen Wettbewerb für unseren großen
Hamburger Stadtpark.*)

Was dort galt oder vernünftigerweise doch
hätte gelten müssen, gilt aber nicht für Baden-
Baden. Nicht nur, daß diese Stadt des Luxus,
des internationalen „arbeitslosen Verkehrs"
einem kommunalen Gartenprojekt schon durch
ihren Lokalton ganz anders geartete Richtungslinien
gibt als jenes tatenschwangere
Handelsemporium, sondern auch die sachlichen
Unterlagen, die der Situation waren hier
grundverschieden. Und wenn sonst nichts,
keine schöpferische Lust, nicht Zeittendenz
u. a. m. hier mitsprächen — diese besonderen
natürlichen Vorbedingungen genügten,

*) Eingehender behandelt dieses aktuelle Projekt
meine kleine Schrift: „Der Hamburger Stadtpark
und die Neuzeit", verlegt bei C H. A. Kloß, Hamburg.

um den streng architektonischen Garten-
Rhythmus, wie der Künstler ihn hier entwickelt
, innerlich zu begründen.

Das Terrain, die ehemalige Gönnerwiese,
liegt nämlich als weit und breit einzige, nicht
überbaute Ebene im wildbewegten, waldum-
rauschten Tal der Oos. Da hätten hohe Bäume,
ohne die der landschaftliche Garten ja gar-
nicht denkbar ist, den raumartigen Eindruck
dieses großen natürlichen Saales zerstört
. Und rein formal, das ist auch klar,
konnten dem Vielerlei seiner „Wände" gegenüber
nur strenge Linien frommen. Sonne und
Ebene mußten erhalten bleiben. Einer würdigen
vegetativen Ausstattung endlich konnte
das übliche Pflanzenkonglomerat des Landschaftsgartens
nicht Vorbild sein, hier im Angesicht
der strotzendenVegetation desSchwarz-
wald-Nizza. In unserm Garten hier sehen wir
nur wenige Pflanzenarten verwendet, die in

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