http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0191
Hecken und Beeten immer wiederkehren
. Immerhin erscheint mir die
Wahl einer unserer sprödesten Pflanzen
als Material für die Hecken,
nämlich Rotbuchen, wenig glücklich.
Die hohen, nischendurchbrochenen
Hecken, die jetzt noch provisorisch
mit Tannengrün vervollkommt sind,
würden mit Hainbuchen oder Linden
viel schneller herangeformt werden
können; die niedrigen, welche die
Bänke künftig umschließen sollen,
müssen wir als rhythmisches Element
vorerst ja überhaupt noch entbehren
. Zu großzügigen Blumenanlagen
insbesondere— einem recht
auffälligen Mangel der mehr schattigen
Kuranlagen Baden-Badens —
forderte die lichte, ebene Lage geradezu
heraus. Wie schon in Mannheim
, plant dieser hartnäckige, aus
der Tiefe schöpfende Künstler auch
hier ganz ungewöhnliche Materialexperimente
(Landschaftsgärtner,
dein letztes, dein einzig gerechtes
Argument schwindet!), Versuche
von neuen Formen- und Farbwirkungen
in einer Reihe von wechselnden
Bepflanzungen. Die ersten Entwürfe
Läugers zu dieser Anlage, ehe
noch die Tagessorgen sich an ihr
rieben, stellten überhaupt nur einen
großen Blumengarten dar. Ja, ehe die
Sonderwünsche Beachtung heischten
, war vieles anders. Aus der Gegenüberstellung
der beiden Vogelperspektiven
ist zu erkennen, welche
Veränderung des Gesamteindrucks
das Werk von der Planung bis zur
endlichen Fertigstellung hat erleben
müssen, besser „erleiden" müssen,
wie es mir bei unserer Gönner-
Anlage denn doch der Fall gewesen
zu sein scheint. Die monumentale,
kraftvoll in sich ruhende Dreiteilung
des ersten Projektes hat uns das
mehr gegliederte zweite genommen,
leider — das große Mittelbecken
soll nicht erschwingbar gewesen
sein. Ist das ein plausibler Grund,
so ist es sicher nicht derjenige, der
die links und rechts so schön umschließenden
, geschnittenen Baumreihen
fallen hieß. Danach wurde
gewünscht, daß die ganze Anlage
von der vielbesuchten Lichtenthaler
i
166
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0191