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ALBIN MÜLLER-DARMSTADT (I. PR.)
PAUL WYNAND-HÖHR (III. PR.)
MAX KLUGE-STUTTGART (IV. PR.)
NEUE TRINKGEFÄSZE
(0 reichhaltig die Stuttgarter Studentenkunstausstellung
von 190S
auch war, die für den Bruder
Studio wichtigste Gruppe der
Trinkgefäße hatte noch nicht die
erhoffte endgültige Lösung gefunden
. Kein Wunder, daß das Kgl.Württembergische
Landes-Gewerbemuseum, das dieses
Unternehmen nicht im Sande verlaufen lassen
will, bei der Fortsetzung seiner Bestrebungen
zunächst einen Wettbewerb für ein Trinkgefäß
veranstaltete, der mit Preisen im Betrage
von M. 1000.— dotiert wurde. Leider sind
auch diesmal — wie gleich festgestellt werden
muß — die Hoffnungen nicht ganz in
Erfüllung gegangen.
Es sind zwar viele, ganz vortreffliche Bierkrüglein
in rheinischem Steinzeug neu geschaffen
worden, aber gerade das spezifisch
Studentische hat zu wenig Berücksichtigung
gefunden. Die beiden meistgelungenen Serien
hat der Darmstädter Professor Albin Müller,
der auch einen ersten Preis von M. 400.—
und zwei lobende Erwähnungen zugesprochen
erhielt, teils mit Reinhold Merkelbach in Grenzhausen
, teils mit Reinhold Hanke in Höhr, sowie
der Bildhauer Paul Wynand in Höhr geliefert
, der ebenfalls Hand in Hand mit der
Steinzeugfabrik Reinhold Merkelbach in Grenzhausen
, also im altberühmten Kannebäcker-
ländchen, einen dritten Preis von 200 M. nebst
drei lobenden Erwähnungen davontrug. Während
Albin Müller Hirschmotive verwendet
oder rein ornamental gestaltet, hat Wynand
wenigstens bei einzelnen Krügen durch Embleme
und Sprüche dem studentischen Wesen
Rechnung getragen. Auch die anderen eingesandten
Arbeiten der beiden Genannten zeigen
ganz famose, originelle Gestaltung, sowohl
im Aufbau wie in der Art und Verteilung des
Schmucks; namentlich in der braunen Farbe repräsentieren
sich diese neuen Trinkgefäße, die
sich gar bald den Markt erobern werden, ausgezeichnet
, weniger in der — technisch und
historisch ebenso begründeten — graublauen
Stimmung. Unter den Scharffeuerglasuren
stehen die Arbeiten von Max KLUGE-Stutt-
gart, der einen vierten Preis von 100 M. erhielt
, obenan. Bei Trinkgefäßen war derartiges
bisher weniger üblich, und es ist bezeichnend
, daß andere, henkellose Arbeiten
desselben Bewerbers mehr Blumenvasen oder
Deckelbüchsen gleichen. Für Biergefäße empfiehlt
es sich denn doch wohl, bei den alten
Henkelbildungen zu bleiben und nicht henkellose
Töpfe zu wählen, von denen einige Einsender
alle Größen, vom Riesenbecher bis zum
Fingerhut (für Studenten!!) eingesandt hatten.
Einige unserer allerbesten Kunstgewerbler
traten diesmal etwas zurück, obwohl sie bei
diesem Anlasse nicht ganz fehlten. Dies gilt
vor allem von Professor R. Riemerschmid, der
früher schon gar manches vorzügliche Trinkgefäß
geschaffen hat, diesmal jedoch mit einem
seiner schlicht-konstruktiven Stücke nur eine
lobende Erwähnung erwarb. Auch Fritz von
HAiDER-Magdeburg, dessen Salamanderkrug
der beste auf der Studentenkunstausstellung
gewesen war, hat sich diesmal weniger hervorgetan
; dagegen hat dieser Salamanderkrug
schon Schule gemacht und dem Fräulein
M. Heinecke eine lobende Erwähnung eingetragen
. Auch Fräulein Hertha Kasten,
deren Gaudeamus-Krug im Vorjahre prämiiert
worden war, hatte es sich diesmal etwas zu
leicht gemacht und ging leer aus.
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