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DIE NEUE KUNSTGEWERBESCHULE ZU AACHEN
ährend sich die Einrichtung von
Wohnräumen von vornherein
als eine dankbare Aufgabe darstellt
, hat die Gestaltung von
Schulräumen stets mit einer
Fülle von Schwierigkeiten zu
rechnen, falls sie die schematische Uniformierung
vermeiden will. Darum muß hier auch
jeder Versuch einer planvoll vereinheitlichten
Lösung von vornherein begrüßt werden, und
er kann verlangen, daß seine Würdigung auf
Grund sachlicher Unterordnung unter die gegebenen
Gesichtspunkte erfolgt.
Wenn es sich gar, wie bei dem Aachener
Beispiel, um eine Kunstgewerbeschule handelt
und wenn, wie hier, der Direktor der
Schule auf Grund seiner praktischen Erfahrungen
und seiner erzieherischen Absichten
die Ausgestaltung selbst übernommen hat, so
darf dies besonderes Interesse beanspruchen.
Ist doch bei einer Kunstgewerbeschule die
Aufgabe doppelt schwer: einfach auszustattende
Räume, wie Fachklassen, Ateliers, Werkstätten
und Zeichensäle, müssen mit repräsentativen
, wie Bibliothek, Ausstellungshalle
und Konferenzzimmer,zu einer übersichtlichen
Gruppe vereinigt werden, wobei zu berücksichtigen
ist, daß alle gutes Licht brauchen,
und daß die Säle von den vielen Einzelräumen
aus leicht erreichbar sein sollen. Auch muß,
der kulturellen Gesamtaufgabe der Schule entsprechend
, der Zusammenhang der verschiedenen
Räumlichkeiten, in denen so mannigfache
Zweige der Kunst und des Gewerbes ihre Stätte
finden sollen, harmonisch und zwanglos zum
Ausdruck kommen, während wiederum, den
Lehrzweigen angemessen, jeder Raum von sich
aus und für sich zu gestalten ist.
Direktor E. Abele hat diese schwere, als
Problem so fesselnde Aufgabe durchaus eigenartig
und zugleich wohltuend sachlich gelöst.
In ein für die Stadt ohne große Opfer erworbenes
Fabrikgebäude, dessen Sheddach seine
Lichtöffnungen nach Norden richtet, hat er
seine Schule eingebaut. So hat er eine eingeschossige
Anlage erreicht, und nur einige
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