Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 186
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FRITZ SCHUMACHER □ INSZENIERUNG DES „HAMLET" IN DRESDEN: IV. AKT, 3. SZENE. EBENE IN DÄNEMARK

nähme gefunden hat, trat zum ersten Male
ein Architekt den geschilderten Problemen
gegenüber. Die Generaldirektion der Dresdner
Hoftheater war sich darüber klar, daß
sich für eine künstlerische Stilisierung in
erster Linie solche dramatische Werke eignen,
in denen menschliche Leidenschaften, Gedanken
und Schicksale in erhöhter Ausdrucksform
, unabhängig von den äußeren Bedingungen
der Zeit und der Umwelt dargestellt
werden. Der zeitlos heroische Charakter des
Hamlet erlaubte, das Prinzip in strenger Einheitlichkeit
durchzuführen, ohne je wieder in
die Formen der älteren Illusionstechnik zu
verfallen. Schumacher war als Baukünstler
vielzusehr an die gewissenhafte technische
Durcharbeitung der ihm gestellten Aufgaben
gewöhnt, als daß er nicht hier in gleicher
Weise vorgegangen wäre. Die Grenzen waren
eng genug gezogen. Der vorhandene technische
Apparat der Dresdner Schauspielbühne ist
äußerst primitiv, eine Drehbühne fehlt; dazu
ist der Zuschauerraum so gestaltet, daß von
einem großen Teil der Plätze ein freier Ueber-
blick über die Bühne in ihrer ganzen Tiefenausdehnung
nicht möglich ist. Es wurde also

notwendig, nach den Sehlinien der seitlichen
und der Galerieplätze alle Verkürzungen anzulegen
, besonders aber die Tiefe des Bühnenbildes
zu bestimmen; bei niedrigem Ausschnitt
mußte die Szene auch in bestimmtem Verhältnis
flacher werden, um nicht der Galerie
die ganze Aktion abzuschneiden. Mit diesen
praktischen Erwägungen verbanden sich solche
des ästhetischen Prinzips. Ein Zusammengehen
von Hintergrund und bewegter Menschengestalt
zu einer zusammenhängenden
Linienwirkung, so erörterte der Künstler, ist
nur erzielbar, wenn der Bühnenraum nicht
zu große Tiefe besitzt und wenn alle architektonischen
Elemente parallel zur Bildebene
geführt werden. Jede diagonal ins Bühnenbild
führende Gestaltung arbeitet dem bildartigen
Eindruck entgegen. Es mußte also
darauf ankommen, verhältnismäßig flache Szenerien
und Linienführungen, die immer in
den Ebenen eines Reliefs bleiben, zu erreichen,
besonders den Raum da zu konzentrieren, wo
wenige Personen im Bilde erscheinen. Denn
die Konturen der Bewegung des Schauspielers
müssen im übergroßen, unproportionalen
Räume verloren gehen. Der Bühnenraum

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