Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 188
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FRITZ SCHUMACHER □ INSZENIERUNG DES „HAMLET" IN DRESDEN: III. AKT, 2. SZENE, SAAL DES SCHAUSPIELS

Aufrisse gezeichnet, in denen alle Maße und
Proportionen sorgfältig nach den vorhandenen
Bühnenverhältnissen berechnet waren. In demselben
Maßstabe wurden dann kleine Modelle
der Einzelszenen aufgebaut, die der Künstler
nun farbig von neuem durcharbeitete. Darnach
erst wurden vom Theatermaler die einzelnen
Teile in natürlicher Größe hergestellt, nachdem
der Architekt die Details und dekorativen
Glieder in gleicher Größe dargestellt
hatte. Den Schluß bildete die nochmalige Korrektur
der farbigen Gesamterscheinung.

Ein erstaunlicher Schatz von hingebender
Mühe steckt also in dem fertigen Werk. Ueber
der Bewunderung für die glänzende Monumentalität
der Bildwirkung im einzelnen darf
man das Bedeutsame nicht vergessen, das in
der Behandlung der technischen Fragen der
Inszenierung liegt. Und mir scheint, die genaue
Kenntnis der technischen Bedingungen
kann dem Urteil über die ästhetische Schöpfung
nur zugute kommen. Nach dem Gesetz
von der geringsten Kraftentfaltung, die erst
den Wert des Geschaffenen bemißt, steht
hier etwas fast in allen Teilen Vollendetes
vor uns. Die Oekonomie der Mittel aber erst
erlaubt den Schritt zu dem Stil der Zeit-

losigkeit, den wir für ein Drama, wie es der
„Hamlet" ist, fordern müssen. Der Zeitlosig-
keit — nicht der künstlerischen Unpersön-
lichkeit. Das Individuelle läßt sich bei einem
Schaffen dieser Art dort am wenigsten zurückdrängen
, wo es gilt, den psychologischen und
dichterischen Stimmungsgehalt einer Szene
voll auszuschöpfen. Und hier muß, nachdem
der Architekt im Künstler uns beschäftigt hat,
dem Maler in ihm das Zeugnis vornehmsten
Geschmackes ausgestellt werden. Denn nur
einem malerischen Verstehen von eigenem
dichterischen Feingefühl konnten Szenen wie
der auf eine Harmonie von Dunkelrot, Grünblau
, Matt violett und Schwarz gestimmte Thronsaal
, wie das Gemach der Königin, wie die
Kirchhofszene gelingen. In die düster heroischen
Akkorde dieser Szenen mischen sich
gleichgestimmt die Töne der Kostüme, die Leon
Fanto mit feinster Empfindung für den Reiz der
Farbwerte entworfen hat. Von besonderer
Kraft der Konzeption ist der große Saal des
Schauspiels im dritten Akt. Die rechtsstehenden
hohen Bogen bieten sich ungezwungen als
Bühnenrahmen, auf der bogenförmigen Bank in
dem Rund des Hintergrundes, die von zwei Kandelabern
matt erleuchtet wird, findet die Gruppe

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