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PAUL PAEPCKE-MÜNCHEN □ BÜFETT UND SCHRÄNKCHEN AUS RÜSTERNHOLZ MIT GEHÄMMERTEN BESCHLÄGEN
schönste Raum des Hauses geopfert wurde,
darf heute wenigstens in den Kreisen, die
an unseren Bestrebungen Interesse nehmen,
wohl als überwunden gelten. In großen Wohnungen
und in Familien, die Repräsentationspflichten
haben, ist ein lediglich gesellschaftlichen
Zwecken dienender Empfangsraum natürlich
durchaus berechtigt, nicht aber in den
bescheidenen Verhältnissen des Mittelstandes,
für den die eigene Behaglichkeit und gesundes
Wohnen ausschlaggebend sein sollen.
Während man früher glaubte, daß das Speisezimmer
in dunklen Farben- und Holztönen
gehalten und mit schweren Vorhängen und
Portieren ausgestattet sein müsse und daß
„altdeutsch" der einzige „Stil" sei, der hierfür
in Frage käme, denkt man heute hierüber wesentlich
anders. Das Speisezimmer darf heiter
und freundlich wirken, also helle, selbst lebhafte
Farben erhalten, dazu leichte, waschbare
Fenstervorhänge und weder Portieren noch
Wandbespannung, um nicht den Geruch der
Speisen im Zimmer festzuhalten und ein schnelleres
Lüften zu ermöglichen. Naturfarbiges
Rüsternholz, auch mittelfarbig gebeizte Eiche
ist für Einrichtungen in mäßiger Preislage das
geeignetste Material. Das Hauptmöbel ist der
Speisetisch, der, da das Zimmer nicht nur
den täglichen Familienmahlzeiten zu dienen
hat, sich auch den Anforderungen einer kleineren
Gesellschaft anpassen, also durch Ausziehen
verlängern lassen muß. Da sich dies
bei einem runden Tisch, der für die Tischanordnung
an und für sich vorteilhafter ist,
wohl auch, aber nicht so bequem machen
läßt, ist für die immerhin beschränkten Raumverhältnisse
einer Mietwohnung der längliche
Ausziehtisch mit einer Plattengröße von etwa
98 zu 130 cm vorzuziehen. Erhält er zwei
Auszüge, so reicht er bequem für zehn Personen
aus. Nur soll man die untere Verbindung
der Beine vermeiden, da diese dem bequemen
Sitzen stets hinderlich ist. Der
Tisch soll fest stehen, kann also schwer sein,
dagegen ist für die Stühle eine leichte handliche
Form mit nicht zu hoher Rückenlehne,
die beim Servieren hindern würde, zu empfehlen
. Im allgemeinen genügen sechs Stühle,
wenn man einen zweiten Raum in der gleichen
Holzart und mit denselben Stühlen einrichtet,
diese also bei Bedarf herübernehmen kann;
zwei bequemere Armlehnstühle sind oft eine
willkommene Ergänzung. Für die Bezüge ist
bei reicheren Mitteln Leder, sonst Rohr- oder
Strohgeflecht zu empfehlen. Stoffbezüge sind
zu vermeiden, und als Teppich wähle man
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