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was sie umfließe und umschwebe
, jenes poetische,
flüchtige Element, das sie
erst binde und rechtfertige
und das die eigentliche piece
de resistance des Kunstwerkes
bedeute. Aehnliche
Wege war die Dichtung gegangen
. Und das Kunstgewerbe
folgte, indem es das
eigentliche stimmungtragende
Element, die Farbe,
auf den Schild erhob. Der
Jugendstil hat bewußt mit
der Farbe gearbeitet und
ist in ihrer Schätzung sogar
zuweit gegangen. Einige
seiner Vertreter proklamierten
die Farbe sogar
als den Hauptwert der Innenräume
, und uns allen
sind aus jenen Tagen noch
Raumschöpfungen erinnerlich
, die eigentlich mehr
mit schweren derben Farben
als mit Gegenständen
„möbliert" waren. Den
Höhepunkt dieser Art, mit
der Farbe zu arbeiten, bedeuteten
wohl jene Zimmer
auf der ersten Darmstädter
Ausstellung, die soviel von
sich reden gemacht haben.
Das Zimmer nach Osten
war grün, das nach Westen
rot, das eine dem kalten
Morgenlicht, das andere
dem warmen Abendrot angepaßt
. Und der Katalog
wußte von der voraussichtlichen
Stimmungswirkung
dieser koloristischen Maßnahmen
Wunderdinge zu
erzählen.
Im allgemeinen bevorzugte
der Jugendstil kräftige
Töne und kräftige Kontraste
. Zusammenstellungen
komplementärer Gegensätze
kamen häufig vor.
Beliebt war namentlich die
Verbindung von Rot und
Grün. Zarte und gebrochene
Töne hat man kaum
gekannt und jedenfalls nicht
goutiert. Auch war man gegen
Farbenhäufungen, sogar
gegen ausgesprochene
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OTTO PRUTSCHER-WIEN AUSTRIA-TISCHDECKEN
AUSFÜHRUNG: HERRBURGER & RHOMBERG, WIEN
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