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DER SOMMERSITZ „LEIMOON" BEI APENRADE VON
ARCHITEKT ANTON HUBER-FLENSBURG
ie Zeiten des Aufsehen erregenden
und Gesuchten, desHervor-
kehrens der Persönlichkeit und
des Eigenartigen um jeden Preis
in der neusten Entwicklungs-
>Y phase der Eigenhausbaukunst in
Deutschland sind für den einsichtsvollen
Architekten vorüber; wir nähern uns wieder
allmählich den guten Traditionen im baukünstlerischen
Schaffen, die jene einfachen, zweckmäßigen
und schönen Bauten der letzten
Kulturperiode aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts
so vorteilhaft auszeichnen und uns
durch das ihnen innewohnende Reife und
Gute zwingen, diese Ueberlieferungen entwicklungsbewußt
im Geiste unserer Zeit
weiterzuführen. Ob wir bei solchem logischen
Beginnen zu einem neuen, dem Fühlen und
Streben, den waltenden Kräften unserer Tage
entsprechenden Stil gelangen werden, mag
dahingestellt bleiben, sicher ist, daß wir
dadurch wieder zu einfachen, anständigen und
zweckmäßigen Formen beim Hausbau gekommen
sind. Und das ist im Vergleich zu
den unendlichen Verirrungen auf diesem Gebiet
während der letzten fünfzig Jahre etwas recht
Wertvolles. Bleibtauchdercharaktervolle Ausdruck
des rechten Empfindens für das wirklich
Gediegene und Schöne beim Hausbau heute
noch auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis
neuzeitlicher Architekten beschränkt, so hoffen
wir doch mit Zuversicht, daß seine Machtsphäre
mit der in ihr wirkenden überzeugenden
Kraft sich auf eine immer größere Zahl der
baukünstlerisch Schaffenden ausdehnen werde,
und gliedern gern dem schon vorhandenen
Guten und Besten das neue Gleichwertige
als ein weiteres vorbildliches Beispiel an.
Ein solches im Charakter nachahmenswertes
Beispiel neuzeitlichen Eigenhausbaues, bei dem
die fundamentalen Forderungen architektonischen
Gestaltens in weitem Umfang erfüllt
sind, ist der Sommersitz „Leimoon" bei
Apenrade, den Architekt Anton Huber, der
Leiter der Kunstschule in Flensburg, für den
Schiffsrheder Heinrich Jessen in Hamburg
mit feinem, anpassendem Verständnis für die
landschaftlichen Verhältnisse, die besondere
Oertlichkeit und die bodenständige Bauweise
der Gegend, sowie für die Wünsche und Eigenart
des Bauherrn errichtet hat. Die erschöpfende
Berücksichtigung aller dieser maßgebenden
Faktoren beim Eigenhausbau verrät ja überhaupt
erst das Können des Baumeisters; ohne
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A. HUBERb LAGEPLAN D. SOMMERSITZES LEIMOON □ GARTENGESTALTUNG : SCHNACKENBERG & SIEBOLD, HAMBURG
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Dekorative Kunst. XIII. 6. März 1910
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