Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 309
(PDF, 172 MB)
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R|- 11 - 11

PAUL BRAUNAGEL-STRASZBURG I. E.

ZEICHNUNG AUS EINEM FASCHINGSPROGRAMM

PAUL BRAUNAGEL

^ie kleine, nicht uninteressante
Kunstbewegung, die sich seit
den neunzigerjahren im deutsch
gewordenen Elsaß abspielt, weist
einige Charakterzüge auf, die
nur in größeren Zusammenhängen
verständlich werden, Züge, die dem Schaffen
der Künstler aufgeprägt wurden durch
die besonders geartete geistige Umwelt, aus
der sie ihre befruchtenden Kräfte sogen. Dies
Milieu war die kampfgesättigte Atmosphäre
deutsch-französischer Rivalität. In die sogenannten
„Protestjahre" fällt die Jugend aller
jener, die heute in der Blüte ihres Schaffens
stehen, und keiner von ihnen, mochte er
dichten oder malen, blieb frei vom partiku-
laristischen Grundzug, der nirgends wohl so
überscharf betont ward. Galt es doch die
Selbstbehauptung der durch 200jährigen Kulturanschluß
an Frankreich allmählich entwickelten
elsässischen Stammesindividualität.
Das ist der rote Faden, der die Geschichte
des Reichslandes seit dem Frankfurter Frieden
durchzieht, und dessen Ausläufer selbst
dort zu rinden sind, wo man sie am wenigsten
suchen möchte, im unpolitischen Heiligtum
der Kunst.

Nicht als ob die Künstler, die wir meinen,
bloß die graphischen Interpreten der brandenden
Volksseele gewesen wären. Jene unter
ihnen, die über die Spalten kleiner, witziger
Vereinsblättchen und über den Applaus enger
Freundschaftszirkel hinaus nach höherem Ziele
strebten, überwanden diese Kinderkrankheit
ziemlich rasch und legten ihre reifende Kunst
auf den Altar einer vergeistigteren Heimatliebe
. Doch muß die satirische Note, in der
die partikularistischen Differenzgefühle des
Elsasses dem Deutschtum gegenüber ihren
ursprünglichsten Ausdruck fanden, hier berührt
werden; denn auf sie sind etliche jener
gewandten Feder- und Kreidezeichnungen vorwiegend
humoristischen Charakters leise gestimmt
, mit denen der Künstler, der uns heute
beschäftigen soll, zuerst an die Oeffentlich-
keit trat. Allerlei kleinbürgerliche Charakterszenen
aus dem elsässischen Alltagsleben,
Momentbilder von treffendem Realismus und
schlagender Komik, huschen da an uns vorbei
: der sonntägliche Familienspaziergang zur
Orangerie, die demonstrativ-martialische Begegnungzweier
Veteranen, Straßburger Dienstmänner
, Modistinnen, Laufmädchen, behäbige
Bourgeois [und schwatzhafte Nachbarinnen,

EI



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